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Heike Stüben zur Gutachter-Kritik

Kommentar Heike Stüben zur Gutachter-Kritik

Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung MDK wenden sich an die Öffentlichkeit. Sie fühlen sich überlastet, haben Angst, ihrem Auftrag nicht mehr gerecht zu werden.

Allein das ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Pflegeversicherung in Schleswig-Holstein. Dass der Betriebsrat deshalb umgehend vor Gericht zieht, um die Arbeitsvorgaben wieder einkassieren zu lassen – das zeigt, dass es den Kritikern nicht nur um private Befindlichkeiten geht, sondern um die grundsätzliche Frage: Wie viele Begutachtungen sind in der Arbeitszeit überhaupt zu schaffen? Und pikant wird das Ganze durch den Umstand, dass es sich beim MDK nicht um irgendein Unternehmen handelt, sondern um eine Körperschaft öffentlichen Rechts.

Natürlich ist offen, wie das Verwaltungsgericht Hamburg entscheiden wird. Jeder, der schon einmal eine Begutachtung mitgemacht hat, weiß aber: Zeit und Ruhe sind wichtig. Fünf Begutachtungen am Tag – das ist schwer vorstellbar. So viel wären aber nach den Vorgaben des MDK an drei Tagen der Woche notwendig. Vor allem: Dabei geht es oft nicht nur um körperliche, sondern auch um geistige Einschränkungen. Ein reales Bild von den Alltagskompetenzen eines Demenzkranken gewinnt man aber nicht im Schweinsgalopp. Zwar sind nicht alle Antragsteller demenzkrank. Aber ihr Anteil wird immer größer. Denn die Pflegereform soll gerade diesen Menschen Zugang zu Pflegeleistungen verschaffen.

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