18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Jörn Genoux zum Auschwitz-Verfahren

Kommentar Jörn Genoux zum Auschwitz-Verfahren

Mit der Anklage gegen die 91-jährige Frau aus Neumünster, der vorgeworfen wird, in 260 000 Fällen in Auschwitz Beihilfe zum Mord geleistet zu haben, wird wieder die Frage gestellt: Ist es richtig, einen „so alten Menschen“ (Neumünsters langjähriger CDU-Chef Herbert Möller) anzuklagen? Ja, das ist es. Mord und Völkermord verjähren nicht.

Das hat nach einer über 30 Jahre lang geführten Debatte der Bundestag 1979 beschlossen. „Mord bleibt im Bewusstsein der Angehörigen der Opfer und auch der Allgemeinheit lebendig. Der Zeitablauf bringt das Bedürfnis nach Sühne und Gerechtigkeit für ein so schwerwiegendes Verbrechen nicht zum Erlöschen“, so formulierte es bereits 1969 der SPD-Angeordnete Martin Hirsch.

Seither werden selbst über 90-Jährige noch zur Verantwortung gezogen, wenn sie ein Rad oder Rädchen in der Tötungsmaschine der Nazis gewesen sind. Zuletzt wurde in Lüneburg der 94-jährige Oskar Gröning zu vier Jahren Haft wegen Beihilfe zum Massenmord verurteilt. Am Montag wurde das schriftliche Urteil veröffentlicht. Diese 42 Seiten sollte wirklich jeder lesen. Die Richter benennen die Verbrechen, die in Auschwitz Alltag waren, und liefern Belege für die Taten und die Rolle Grönings. Die Strafkammer des Landgerichts zeigt in ihrer Urteilsbegründung, dass es möglich ist, auch nach mehr als 70 Jahren sehr differenziert die individuelle Schuld zu ermitteln.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Gewinnspiele

Kostenlos mitmachen
und mit etwas Glück
jetzt gewinnen!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Landgericht Kiel
Foto: Die 91 Jahre alte Frau soll in ihrer Funktion als Funkerin in Auschwitz bei der systematischen Ermordung verschleppter Juden geholfen haben.

Die Frau lebte unbehelligt in Schleswig-Holstein. Jetzt holt sie die Vergangenheit ein. Eine jetzt 91-Jährige soll in Auschwitz Teil der Vernichtungsmaschinerie gewesen sein. Gegen sie wurde Anklage wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 260.000 Fällen erhoben.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus KN-Kommentare 2/3