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Jürgen Küppers zu den Kieler „Brennpunktschulen“

Kommentar Jürgen Küppers zu den Kieler „Brennpunktschulen“

Drei Schulleiter gründen einen Verein, um öffentlich etwas sagen zu dürfen, was sie als Landesbeamte so nicht dürften: Das allein wirft schon ein bezeichnendes Zwielicht auf ein hierarchisches, oft genug hermetisch abgeriegeltes Schulsystem, das Kritik offenbar nur schwer ertragen kann.

Die Schulleiter wollen aber nicht länger den Mantel des Schweigens darüber breiten, dass viele ihrer Kollegen die Grenzen ihrer Möglichkeiten an sogenannten „Brennpunktschulen“ längst erreicht oder sogar überschritten haben. Gerade weil sie mit vollem Einsatz immer noch gute Zahlen zu Schulabschlüssen erzielen, sieht man im Bildungsministerium offenbar keine Notwendigkeit, die Pädagogen zu entlasten. Zum Beispiel durch mehr Schulsozialarbeit oder kleinere Klassen aufgrund ihrer besonderen Herausforderungen im Umgang mit überproportional vielen verhaltensauffälligen, vernachlässigten Schülern aus prekären Verhältnissen.

Insofern gebührt den drei Schulleitern Respekt und Anerkennung dafür, dass sie Probleme und Lösungsansätze für Schulen in „schwierigen“ Stadtteilen durch den Verein jetzt öffentlich machen (müssen). Die dazu auf der Homepage aufgeführten Zahlen und Daten machen das Problem anschaulich – ohne viel Lamento. Der schönste Lohn ihres Mutes wäre es, wenn ihr Beispiel Schule machen würde. Wenn es künftig noch mehr Vereine engagierter Pädagogen gäbe, die als Vorsitzende oder Geschäftsführer endlich mal auch öffentlich sagen, wo sie der Schuh drückt. Und das auch noch Folgen hätte.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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