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Jürgen Küppers zu den Sprach-Kitas

Kommentar Jürgen Küppers zu den Sprach-Kitas

Stellen Sie sich vor, Sie sind drei Jahre alt, versuchen sich in einer Kita zurechtzufinden. Es gelingt aber nicht, weil alles fremd ist: Sprache, Rituale, Bilder an der Wand, das Essen, die Gerüche.

So ähnlich geht es auch Erwachsenen im Urlaub in einem exotischen Land. Da freuen wir uns auch, wenn jemand in unserer Sprache die fremde Kultur erklärt, die damit ein Stück vertrauter wird. Genau so handeln Erzieher, die von Kindern aus Migrantenfamilien im Kita-Alltag ganz bewusst nicht verlangen, (nur) Deutsch zu sprechen.

Nun könnte man einwenden: Das hemmt doch Integration. Die gelingt doch dann am besten, wenn Kinder so früh und schnell wie möglich Deutsch lernen. Stimmt im Prinzip auch, sagen Sprachwissenschaftler. Aber: Das gelinge nur dann effektiv, wenn man kulturelle Wurzeln der Kinder aus anderen Nationen nicht ignoriere, sondern wertschätze. Aus dieser Akzeptanz heraus erwachse erst die nötige Offenheit und Neugier auf deutsche Sprache und Kultur. Das bedeutet aber nicht, dass in den vom Bundesfamilienministerium geförderten Kitas im Norden gar kein Deutsch mehr gesprochen wird. Im Gegenteil. Die speziell geschulten Erzieher versuchen möglichst viele Alltagssituationen zu nutzen, um sie mit deutschen Begriffen in Verbindung zu bringen. Allerdings ohne erhobenen Zeigefinger. Dass sich der Ansatz bewährt hat, steht für die meisten Experten mittlerweile außer Frage. Das größte Problem ist dabei allerdings, multikulturell vorgebildete Erzieher zu finden, die auch noch Bereitschaft für Fortbildungen mitbringen.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kita in Gaarden
Foto: Und welche Sprache sprichst Du? Die fünfsprachige Erzieherin Nur Ahmend (34) ist in der Kita Johannesstraße sehr gefragt.

Welche Sprache wird in Kieler Kitas gesprochen? Deutsch jedenfalls nicht zwingend. In der Gaardener Kita in der Johannesstraße ist nur ein Viertel der 183 Kinder deutschsprachig. Der Rest lernt bei seiner Mutter Türkisch, Arabisch, Kurdisch, Bulgarisch, Russisch oder eine andere von insgesamt 25 Sprachen.

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