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Jürgen Küppers zu den Waldkitas

Kommentar Jürgen Küppers zu den Waldkitas

Machen beheizbare Schutzhütten oder -wagen für Waldkitas Sinn? Ja natürlich, sagt der gesunde Menschenverstand und gruselt sich bei der Vorstellung frierender Kinder ohne zwischenzeitliche Rückzugsmöglichkeiten zum Aufwärmen oder Umziehen.

Doch der behördliche Rechtsverstand sagt etwas anderes: Hütten oder Wagen unterliegen zuallererst Bestimmungen zur Gefahrenminimierung. Und Öfen sind eine Gefahrenquelle. Ach ja? Und warum ist es für Waldarbeiter ganz selbstverständlich, dass sie sich mitten im Wald in Bauwagen durchgefrorene Glieder an Bolleröfen aufwärmen dürfen. Ja, sagt hier der Rechtsverstand, das ist ja auch etwas völlig anderes. Laut Paragraf 24 des Landeswaldgesetzes handelt es dabei um bewegliche Unterkünfte. Die sind zulässig bei so genannten privilegierten Vorhaben wie Waldbewirtschaftung. Ein Schafstall wäre auch so ein privilegiertes Vorhaben, auch Biogasanlagen oder Windräder – ein warmer Unterstand für Kinder bislang nicht. Der gesunde Menschenverstand setzt an dieser Stelle aus.

Jetzt hat das Land einen Erlass angekündigt, der Waldpädagogik und Rechtssicherheit versöhnen soll. Der Waldkita-Bundesverband erwartet davon allerdings nicht viel Gutes, rüstet sich schon für Protestmärsche. Schade, denn mit rund 200 Waldkitas und mehr als 4000 dort betreuten Kindern ist der Norden Vorreiter naturnaher Pädagogik. Sogar die Chinesen wollen das Modell einführen. Aber vielleicht setzt sich am Ende ja doch gesunder Menschenverstand durch.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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