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Jürgen Küppers zum Enkeltrick

Kommentar Jürgen Küppers zum Enkeltrick

Es sind schwierige Fragen, mit denen sich Geldinstitute bei dieser Häufung von Enkeltrick-Gaunereien im Norden konfrontiert sehen: Dürfen Bankangestellte das Selbstbestimmungsrecht vor allem älterer Kunden über ihr Vermögen ignorieren, wenn diese ungewöhnlich hohe Summen abheben? Schafft eine Beratungspflicht in Verdachtsfällen wirklich mehr Sicherheit? Banken haben in der Tat eine gewisse Fürsorgepflicht.

Und der sind nicht alle gleichermaßen nachgekommen. Dies zeigen Beispiele, bei denen ältere Menschen Zigtausende Euro verloren haben. Wohl auch, weil Bankangestellte nicht hartnäckig genug nachfragten. Insofern sollten Banken bei definierten Verdachtsindizien noch stärker als bisher auf die Beachtung ihrer internen Handlungsanweisungen dringen, die mit der Polizei abgestimmt sind. Sonst droht weiterer Vertrauensverlust nicht nur bei Geschädigten und ihren Angehörigen. Dennoch: Eine Fürsorgepflicht allein Banken aufzubürden, wäre ebenso unredlich wie rechtlich bedenklich. Für den Schutz älterer Menschen sollten sich Angehörige wie nahestehende Freunde genauso mitverantwortlich fühlen. Auch sie könnten im Fall größerer Geldtransaktionen eingebunden werden. Etwa durch die Hinterlegung entsprechender Telefonnummern bei den Banken. Dafür ist aber gegenseitiges Vertrauen nötig. Und ein Bewusstsein dafür, dass jeder zum Opfer perfider Trickbetrüger werden kann. Nicht nur Menschen, denen man oft leichtfertig „Tüdeligkeit“ unterstellt.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Vize-Landesvorsitzender Uwe Rath - Weisser Ring

Enkeltrick-Betrugsfällen sorgen für Debatte um einen besseren Schutz: Angehörige von Betroffenen sowie der Landesverband der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ fordern von Banken eine Beratungspflicht, wenn ältere Kunden große Summen abheben wollen. Doch das lehnen Geldinstitute im Norden ab.

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