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Jürgen Küppers zur Reaktivierung pensionierter Lehrer

Kommentar Jürgen Küppers zur Reaktivierung pensionierter Lehrer

So umschmeichelt wie jetzt in einem Brief von Bildungsministerin Waltraud Wende werden Lehrer selten. „Freuen“ würde sie sich, wenn die „zweifellos erfahrenen und kompetenten“ Pädagogen auch im Ruhestand noch bereit wären, als „Seniorexperten“ bei kurzfristigen Unterrichtsausfällen einzuspringen. Wer Ruheständler so inständig um Hilfe bittet, offenbart selber eine gewisse Hilflosigkeit.

Denn bei dem jetzt an 2200 pensionierte Lehrer verschickten Bittbrief soll es ja nicht bleiben. Künftig bekommen alle Pädagogen bei ihrer Verabschiedung automatisch einen Fragebogen, auf dem sie grundsätzliche Bereitschaft, Art und Umfang ihrer Aushilfstätigkeit angeben können. Das alles sei nur ein Baustein zur Bekämpfung des Unterrichtsausfalls, beteuert das Ministerium. Und keinesfalls gehe dies zu Lasten junger Kollegen. Ob das wirklich stimmt, wird sich in der Zukunft erst erweisen.

Fakt ist aber schon jetzt: Fachlehrer für Mathematik oder Naturwissenschaften sind im Norden fast kaum noch zu bekommen. Sie folgen dem Lockruf anderer Bundesländer mit besseren Bedingungen – zum Beispiel schnellerer Verbeamtung oder Weihnachts- und Urlaubsgeld. Da könnte die Versuchung groß sein, die Lücken mit „Seniorexperten“ zu schließen.

Noch etwas erscheint seltsam: Lehrerausbildungsgänge sollen künftig praxisnäher, Schullaufbahnen einheitlicher werden. Zu dieser kompletten Neuausrichtung passt eine langfristig angelegte Reaktivierung altgedienter Pädagogen wahrlich nicht.

Jürgen_Küppers

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...auch wenn sie längst in Rente sind
Foto: Ziel des Bildungsministeriums ist es, den Schulen bei plötzlich eintretenden Unterrichtsausfällen zeitlich befristet „berufserfahrene und kompetente“ Vertretungslehrkräfte zur Seite zu stellen.

Mit einer „ungewöhnlichen Bitte“ wandte sich Bildungsministerin Waltraud Wende per Brief an rund 2200 Lehrer im Land. Sie „würde sich freuen, wenn die eine oder der andere trotz des wohlverdienten Ruhestands“ für zeitlich befristete Unterrichtsvertretungen zur Verfügung stehen könnte.

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