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Kerstin Tietgen zur Stupa-Wahl

Kommentar Kerstin Tietgen zur Stupa-Wahl

Die Jugend von heute ist unpolitisch. So lautet der selbstgerechte Tenor der 68er-Generation. Die dramatisch geringe Beteiligung an den Wahlen des Studentenparlaments an der Kieler Uni scheint den Unkenrufen Recht zu geben. Nicht mal zehn Prozent der Studierenden machten von ihrem Recht Gebrauch, die Politik an ihrer Hochschule aktiv mitzubestimmen. Das ist nicht nur peinlich, es ist auch ein Alarmzeichen.

Die Ursachen dafür sind aber bestimmt nicht in einer Null-Bock-Mentalität zu suchen. Sie liegen tiefer. Tatsache ist: Studierenden bleibt nach dem Bologna-Prozess kaum Zeit zum „Solidarisieren mitmarschieren!“. Regelstudienzeit statt Reflektionsphase. Lerngruppe statt Vollversammlung. Der Druck an den Hochschulen lässt kaum Platz, sich auch noch Gedanken um studentische Mitbestimmung zu machen.

Doch auch der Allgemeine Studierendenausschuss ist nicht unschuldig. Die Kandidaten sind für viele nur Namen auf dem Papier. Statt kompakter Informationen werden die Studierenden mit einer Flut von Mails überrollt, die offenbar viele überfordert. Zudem ist der Einfluss des Asta äußerst begrenzt. In den Gremien haben die Professoren nach wie vor das letzte Wort. Das macht die Asta-Arbeit mehr als mühsam.

Gibt es Hoffnung? Und wie: Tausende protestierten im November 2014 gegen die „Uni ohne Geld“, Tausende nahmen an der „Kiel ist bunt“-Demo teil und beteiligen sich an Projekten für Flüchtlinge. Die Jugend von heute ist politisch: Man muss ihr nur den Spielraum dafür lassen.

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