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Klaus Kramer zum NS-Kriegsverbrecherprozess

Kommentar Klaus Kramer zum NS-Kriegsverbrecherprozess

Oskar Gröning hat seine moralische Schuld zugegeben. Er hat um Vergebung gebeten. Er zeigt Reue. Man muss sie ihm nicht absprechen. Sie könnte aber auch vorgespielt sein, um die Richter milde zu stimmen.

In dem Prozess gegen Gröning geht es aber nicht um moralische Schuld. Es geht darum, dem Angeklagten nachzuweisen, dass er strafrechtlich schuldig geworden ist. Gröning hat, nach allem, was man bisher weiß, keinen Juden erschossen und kein Zyklon B in die Gaskammern geschüttet. Doch er stand an der Rampe in Auschwitz, nahm die Koffer der ankommenden Juden in Empfang und versicherte ihnen wohl, dass er auf ihr Gepäck aufpassen werde. Er sorgte mit anderen SS-Leuten dafür, dass unter den Todgeweihten auf dem Weg in die Gaskammern keine Panik ausbrach. Reicht das für eine Verurteilung?

Gröning wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen; alle anderen Straftaten sind verjährt. Mordmerkmale sind etwa Heimtücke und Rassenhass. Gröning war mindestens ein Handlanger des Todes. Ob er, wie er selbst betont, nur ein „Rädchen im Getriebe“ war, das nicht anders konnte, als im Getriebe mitzulaufen, das werden die Richter zu entscheiden haben.

Fest steht, dass sich Tausende in der monströsen Mordmaschine der Nazis nur als „Rädchen im Getriebe“ sahen. Ohne dieses Kleinreden der eigenen Verantwortung wäre die systematische Ermordung von sechs Millionen Juden nicht möglich gewesen. Der Prozess gegen Gröning macht das an einem Beispiel deutlich. Deshalb ist er wichtig.

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Klaus Kramer
Chefredakteur / Ressortleiter Nachrichten

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