11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Klaus Kramer zur Armenien-Debatte

Kommentar Klaus Kramer zur Armenien-Debatte

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges töteten Soldaten des Osmanischen Reiches rund 1,5 der zwei bis 2,5 Millionen Armenier. Für diese grausamen Gemetzel gibt es nur einen zutreffenden Begriff: Völkermord.

Warum sollte man diese fürchterliche Tatsache nicht beim Namen nennen? Weil das den Holocaust relativieren könnte, sagt der Außenminister. Andersherum wird ein Schuh daraus: Wenn aus politischen Gründen ein Völkermord nicht mehr als solcher bezeichnet wird, könnte bald auch der Mord an sechs Millionen Juden verharmlost werden. Solche Bestrebungen gibt es immer noch, leider auch in der Bundesrepublik.

Weil aber gerade Deutschland seine Geschichte zweier Weltkriege so gründlich aufgearbeitet hat, sollte das Kapitel Armenien nicht geschwärzt werden. Dabei geht es nicht um eigene Freisprechung. Abgeordnete aller Fraktionen betonten gestern die Mitschuld des deutschen Kaiserreiches, das dem türkischen Verbündeten 1915 nicht in den Arm fiel. Bleibt das Argument, der Begriff Völkermord belaste die Beziehungen zur Türkei: Das mag sein. Schuld daran wäre allerdings nicht der, der die Wahrheit beim Namen nennt, sondern der, der sich ihr verweigert. Wenn die Türkei aus diesem Grund die Beziehungen infrage stellt, zeigt dies erneut, dass sie nicht in die EU gehört.

Bundespräsident Gauck hat sich einmal mehr als Glücksfall für die Republik erwiesen. Er fand die deutlichen Worte, vor denen sich die Regierung drückt – und bewahrt die Koalition damit vor einer Blamage.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Klaus Kramer
Chefredakteur / Ressortleiter Nachrichten

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie Frau
Marion N.-Neurode

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Geschichte
In Berlin versammelt sich der "Lichterzug der Vergessenen" anlässlich des 100. Jahrestages des Beginns der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich.

Die Aussagen von Bundespräsident Joachim Gauck zum "Völkermord" an den Armeniern stürzen Deutschland in eine diplomatische Krise mit der Türkei. "Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen", erklärte das Außenministerium des EU-Beitrittskandidaten in Ankara.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr