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Birgit Holzer zu den Absperrungen in Calais

Kommentar Birgit Holzer zu den Absperrungen in Calais

Sie haben Monate, manchmal Jahre der Flucht vor Krieg, Gewalt und Verfolgung hinter sich. Haben die Wüste oder das Mittelmeer überquert, Schlepper bezahlt, ihr Leben riskiert.

Wenn sie dann irgendwann im französischen Calais ankommen, wähnen sich die Flüchtlinge, die zu Tausenden aus Kriegs- und Krisengebieten kommen, nahe an ihrem Ziel: Großbritannien. Sie haben nichts zu verlieren – und wollen sich nicht von Zäunen, Absperrungen oder Kontrollen aufhalten lassen.

Doch genau das ist die Antwort, die die Regierungen in Paris und London finden, um des Ansturms Herr zu werden, dem die Grenzgebiete schon seit langem ausgesetzt sind. Und sie ist höchst unzureichend. Eine Scheinlösung. Wer bis Calais kommt, will weiter, auf die andere Seite des Ärmelkanals. Zugleich spaltet der Konflikt auch die Bewohner – manche helfen, andere fürchten, dass der Zustrom dann noch wächst, während ein echter Lösungsansatz fehlt.

Dieser müsste wohl ein globaler, zumindest gesamteuropäischer sein. Sich gegenseitig die Verantwortung zuzuschieben aus Furcht vor den erbosten Wählern, verschlimmert nur die Situation. Es geht um eine Beschleunigung von Asylverfahren, um eine gemeinsame Strategie, die nicht nur im Abwehren besteht, sondern eben auch um einen menschenwürdigen Umgang mit jenen, die Hilfe brauchen. Populistische Schnellschüsse, zu denen die Ankündigung eines verstärkten Zaunes oder neuer Videokameras gehören, bringen niemanden weiter.

Von Birgit Holzer

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Migration
Kaum aufzuhalten: Die Flüchtlinge in Calais riskieren ihre Gesundheit und ihr Leben, um nach Großbritannien zu gelangen. Foto: Yoan Valat

Großbritanniens Regierung will Migranten in Calais mit neuen Zäunen und anderen Sicherheitsmaßnahmen vom Eurotunnel fernhalten. Es würden Spürhunde, Absperrungen und weitere Hilfsmittel auf die französische Seite des Tunnels unter dem Ärmelkanal geschickt, sagte Premierminister David Cameron am Freitag nach einer Sitzung des britischen Sicherheitskabinetts.

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