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Bodo Stade zum Fall Sophienhof

Kommentar Bodo Stade zum Fall Sophienhof

Was war nun wirklich los an jenem Donnerstag im Kieler Sophienhof? Zumindest aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist von den massiven Vorwürfen nicht viel übrig geblieben. Demnach sind die jungen Mädchen weder von Dutzenden Flüchtlingen verfolgt noch fotografiert oder gefilmt worden.

Das muss erst einmal festgehalten werden.

Ein ganz normaler Nachmittag war es aber sicher auch nicht. Denn am Ende standen drei verängstigte Mädchen, die sich mindestens von zwei jungen Afghanen so sehr bedrängt fühlten, dass Sicherheitsdienst und Polizei gerufen werden mussten. Niemand kann deshalb behaupten, es sei gar nichts passiert.

Klar ist aber eines: Die Darstellung der Polizei war nicht nur übertrieben, sondern schlicht falsch. Sie hat Vertrauen und Glaubwürdigkeit gekostet. Auch die der Medien, die den Erklärungen der Behörde glaubte, und bundesweit über einen Fall berichtete, der eigentlich gar keiner war.

Unklar bleibt bis heute, warum sich die Polizei nicht wie sonst an die belastbaren Fakten hielt. Warum formulierte sie ausgerechnet in einem derart sensiblen Bereich Tatsachen, die sich nicht beweisen ließen. Gezwungen hat sie dazu niemand, schon gar nicht die Medien, wie gern behauptet wird.

Die Kieler Staatsanwaltschaft hat jetzt die Aufgabe, mit kühlem Kopf die wenigen Fakten auf strafrechtlich relevante Handlungen zu prüfen und dann zu entscheiden, ob Klage erhoben wird oder eben nicht. Das ist der einzig richtige Weg, der jetzt noch bleibt.

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Bodo Stade
Stellvertretender Chefredakteur

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Foto: Der Sophienhof geriet bundesweit in die Schlagzeilen.

Mädchen, die im Sophienhof von einem Mob Männer „mit Migrationshintergrund“ bedrängt, gefilmt und gejagt werden – dieser angebliche Zwischenfall brachte Kiel im Februar in die Schlagzeilen, gestützt auf offizielle Aussagen der Polizei. Nun stellen sich die tatsächlichen Ereignisse weit weniger dramatisch dar.

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