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Carola Jeschke zu den Hebammen

Kommentar Carola Jeschke zu den Hebammen

Es ist schon seltsam. Auf der einen Seite wird in Deutschland seit Jahren der Geburtenrückgang beklagt. Auf der anderen Seite lässt man es zu, dass die Geburt in Deutschland ein Verlustgeschäft ist. Für die Haftpflichtversicherung der Hebammen, für die Krankenkassen, die Kliniken und die freiberuflichen Hebammen rechnet sich die professionelle Starthilfe ins Leben schon lange nicht mehr.

Zu teuer für die einen, zu schlecht bezahlt für die anderen. Das Damoklesschwert einer absurd hohen Versicherungsprämie über sich, geben immer mehr freiberufliche Hebammen schweren Herzens die Geburtshilfe auf. Das Problem ist nur: Sie ist unverzichtbar.

Die Begleitung von werdenden Mütter vor, während und nach der Geburt ist ein so elementarer Bestandteil der „frühen Hilfen“, dass man ihn gar nicht hoch genug schätzen kann – körperlich, psychisch und sozial. Und sie gehört nicht zwingend ins Krankenhaus, denn Schwangerschaft und Geburt sind keine Krankheit. Dahin ist die Wahlfreiheit von Frauen, die nicht in einer Klinik entbinden möchten, sondern zuhause oder im Geburtshaus. Mit dem sich anbahnenden Sterben eines ganzen Berufsstandes können sie auch in Kiel nicht mal mehr auf einen Platz in der Geburtsvorbereitungsgruppe hoffen. Die neuen Qualitätskriterien für eine Hausgeburt stoßen bei Hebammenverbänden zu Recht auf Widerstand. Denn sie implizieren, dass nur ein Arzt entscheiden kann, wann eine Hausgeburt möglich ist – ein schwerer Eingriff in das Berufsrecht der Hebammen.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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Hebammen schlagen Alarm
Foto: Wünschen sich ein neues Geburtshaus in Kiel: Die Hebammen Ute Marcussen (34) und Cathrin Steidel (41) sowie die Sportwissenschaftlerin Britt Wandschneider (42) mit Taatje (15 Monate), Mia (17 Monate) und Til (18 Monate, von links).

Unbezahlbare Versicherungsprämien, auslaufende Berufshaftpflicht, geschlossene Geburtsstationen: Lange Zeit schien der Notstand der Hebammen in Schleswig-Holstein vor allem Schwangere im ländlichen Raum zu treffen. Doch jetzt schlagen auch Hebammen und werdende Mütter in der Landeshauptstadt Alarm.

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