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Christian Hiersemenzel zum Armutsbericht

Kommentar Christian Hiersemenzel zum Armutsbericht

Alle Jahre wieder gibt der Paritätische Wohlfahrtsverband einen Armutsbericht heraus, und dieses Zahlenmaterial ist eine wichtige Grundlage für sozialpolitische Entscheidungen in Städten und Gemeinden. Nur hat die Statistik mit ihrem plakativen Ranking der Bundesländer einen Pferdefuß: Sie verzerrt Realitäten.

Eigentlich müsste man sich in Kiel ein Loch in den Bauch freuen, weil sich der Norden bundesweit plötzlich auf Platz drei befindet und mit dem wirtschaftlich bärenstarken Süddeutschland auf Augenhöhe spielt. Dass man beim Paritätischen Wohlfahrtsverband dennoch „keinen Grund zum Jubeln“ sieht, liegt zum einen im reflexhaften Verhalten der Sozialverbände begründet, die sich schnell um ihre Existenzberechtigung gebracht sehen: Klagen gehört nun einmal zum Geschäft. Zum anderen aber wird deutlich, und das ist entscheidender, dass sich Schleswig-Holsteins Süden immer weniger mit dem übrigen Land vergleichen lässt.

Das reiche Hamburg mit seinem Hafen, der seit Jahrzehnten boomenden Wirtschaft und den kulturellen wie intellektuellen Impulsen strahlt tief in die sozialen Strukturen Schleswig-Holsteins hinein. Für die Landeshauptstadt Kiel, aber auch für Neumünster, Flensburg und Lübeck ist das bitter. Sie müssen einerseits die Funktion von Oberzentren aufrecht erhalten und andererseits aufpassen, nicht vollends zum Armenhaus zu werden. Die Zahlen lassen das befürchten.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Soziales
Bereits in den vergangenen Jahren hatte der Paritätische Wohlfahrtsverband vor wachsender Armut gewarnt.

Die Wirtschaft fährt seit Jahren gute Gewinne ein - Arbeitslose, Alleinerziehende und Rentner haben davon wenig. Die Armut ist auf hohem Niveau - manche Regionen sind besonders betroffen.

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