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Christian Hiersemenzel zum Bibliothekengesetz

Kommentar Christian Hiersemenzel zum Bibliothekengesetz

Wie schade: Anke Spoorendonks neues Gesetz dürfte nicht viel mehr als ein zahnloser Tiger sein. Die Kulturministerin hat sich mit ihrem Anliegen, Bibliotheken fest in Schleswig-Holsteins gesellschaftlichem Leben zu verankern, bei den Kabinettskollegen offenbar nicht ganz durchsetzen können.

Übrig geblieben ist ein Entwurf, der eine Menge wichtiger Impulse für Bildungsteilhabe und Demokratie, Integration und kulturelles Erbe enthält. Allein: Was nützt diese Verve, wenn dahinter keine Verpflichtung steht, diese Einrichtungen auch in schwierigen Zeiten vorzuhalten?

Sicherlich gibt es gerade wichtigere Aufgaben: zum Beispiel Tausenden Flüchtlingen ein festes Dach über dem Kopf zu bieten und dafür zu sorgen, dass diese Menschen nicht verhungern. Das verschlingt gigantische Summen, die an anderer Stelle fehlen. Bloß: Kultur fällt schnell als erstes herunter. Gerade weil das Land aber aktuell einen so starken Zuwachs von Menschen aus anderen Ländern erfährt, ist es wichtig, sich auf die eigenen historischen Wurzeln zu besinnen. Nur wer weiß, wer er ist und wo er steht, kann anderen gegenüber tolerant sein. Bibliotheken leisten dazu einen wichtigen Beitrag.

Der SSW war mit seiner Maximalforderung vor ein paar Jahren schon mal abgeblitzt. Am Dienstag wies die Ministerin darauf hin, dass man jetzt pragmatisch vorgehen muss. Ja, das Glas ist gefüllt – aber leider nicht mal zur Hälfte. Bitte nachschenken.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Gesetzesentwurf
Foto: Zurzeit gibt es in Schleswig-Holstein 160 öffentliche Bibliotheken – ihnen sind gerade junge Leser wichtig. Die Bibliotheken und 13 Fahrbüchereien im Land haben rund 640 Beschäftigte. Mehr als 70 Prozent der Einrichtungen werden hauptamtlich geleitet.

Schleswig-Holsteins Regierung will öffentliche Bibliotheken zum unverzichtbaren Bestandteil des kulturellen Lebens erklären. Am Dienstag hat das Kabinett einem entsprechenden Gesetzesentwurf von Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) zugestimmt. Er wird Anfang 2016 dem Landtag vorgelegt.

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