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Christian Hiersemenzel zum Friesenhof-PUA

Kommentar Christian Hiersemenzel zum Friesenhof-PUA

Das hat uns gerade noch gefehlt: Da mussten Mädchen und junge Frauen jahrelang in einem Heim unter schlimmen Bedingungen leben, weil die Betreiberin vom Staat zwar das Betreuungsgeld einstrich, aber nicht in der Lage war, psychologisch versiertes Fachpersonal aufzubringen.

Kiel. Da setzte man zwar auf ein vermeintlich effizientes und damals furchtbar angesagtes Konzept der Härte und Konsequenz, garantierte aber nicht den therapeutischen Rahmen. Mit den Langzeitfolgen dieses pädagogischen Irrweges müssen ganz bestimmt nicht die Erwachsenen umgehen, sondern die jungen Menschen, deren Lebensweg oft ohnehin schon genug verkorkst ist. Sollte Schleswig-Holsteins Parlamentarischer Untersuchungsausschuss nun tatsächlich zum Schluss kommen, dass eine Kindeswohlgefährdung im Friesenhof nicht nachzuweisen ist, müsste der Staat am Ende der insolventen Betreiberin für die Schließung auch noch Schadenersatz zahlen. Ja, geht’s noch?!

Das Motiv der Koalition aus SPD, Grünen und SSW, Sozialministerin Kristin Alheit Rückendeckung zu geben, ist politisch nachvollziehbar. Allerdings kommt auch die Opposition längst zum Schluss, dass die Ressortleiterin vom Vorgang tatsächlich nichts gewusst hat. Darüber hinaus hat Alheit seit Bekanntwerden des Skandals wirklich alles unternommen, damit sich ein Friesenhof-Debakel möglichst nicht wiederholt. Das war glaubwürdig und verantwortungsbewusst. Nur kann man das von der rot-grün-blauen Schlussfolgerung leider nicht behaupten.

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Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Friesenhof-Affäre
Foto: In der Opposition spricht man von Vertuschung (v. li): Referent Emanuel Schach und Wolfgang Dudda (Piraten), Bernd Buchholz und Anita Klahn (FDP) sowie Volker Dornquast und Katja Rathje-Hoffmann.

Auf den letzten Metern bahnt sich richtiger Krach an: Die Vertreter von Regierungskoalition und Opposition haben am Montag im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zur Dithmarscher Mädchenheimeinrichtung „Friesenhof“ Schlussfolgerungen vorgelegt, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

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