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Christian Longardt zu Merkels Türkei-Besuch

Kommentar Christian Longardt zu Merkels Türkei-Besuch

Angela Merkel hat recht, wenn sie erklärt, die CDU dürfe ihre Grundsätze nicht aufgeben oder relativieren, um ein Abwandern der Wähler zur AfD zu verhindern. Als Beispiele für solche Prinzipien nennt sie das Bekenntnis zur europäischen Einigung, zur Reisefreiheit und zur Wahrung der Menschenwürde.

Gut, dass die Kanzlerin da einen funktionierenden Kompass hat. Noch besser wäre, sie hätte diesen Kompass auch dabei, wenn sie sich heute erneut mit Recep Tayyip Erdogan trifft. Der Mann hat in den vergangenen Wochen auf beklemmende Weise gezeigt, was er von elementaren Menschenrechten hält.

Man wünschte sich eine selbstbewusste Kanzlerin, die dem Autokraten vom Bosporus deutlich sagt, was Deutschland von der Kurden-Unterdrückung hält, von der Inhaftierung missliebiger Journalisten, vom Abbau der Demokratie in der Türkei. Man ahnt, dass die Realpolitikerin Merkel wieder nur zaghaft zu intervenieren wagt. Zu groß die Sorge, ihr Flüchtlingspakt könnte scheitern, wenn sich Erdogan brüskiert fühlt.

Es ist kaum zu fassen, wie die Flüchtlingskrise die Welt aus den Angeln hebt. Ausgerechnet die Chefin der CDU, die die Türkei jahrelang auf maximalem Abstand zur EU hielt, hofiert einen Staatschef, der sich von Europas Werten immer weiter entfernt.

Merkel hat sich in eine Lage manövriert, die einer deutschen Kanzlerin unwürdig ist; sie kommt da nur mit Mut und Klarheit heraus. Sie sollte heute damit beginnen.

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Christian Longardt
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