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Christian Trutschel zum Gesundheitswesen

Kommentar Christian Trutschel zum Gesundheitswesen

Der Fall des Jungen, der in Kiel eine bestmögliche Therapie erhalten könnte, aber nicht nach Schleswig-Holstein geflogen werden darf, weil der Maximalversorger UKSH kein Bett für ihn frei hat, bringt die Malaise auf den Punkt.

Kiel. Die Malaise heißt: Vorrang der Ökonomie im Gesundheitswesen. Mag das deutsche im internationalen Vergleich noch so gut und vorbildlich sein, die Einführung von Budgetierung, Fallpauschalen, diagnosebezogenen Fallgruppen und Landesbasisfallwerten birgt zu viele Anreize, Patienten in lukrative und weniger lukrative zu sortieren.

Unmerklich rückt dabei der gesunde Impuls, koste es, was es wolle, zu helfen, in den Hintergrund. Die 33 deutschen Universitätsklinika schreiben nach eigenen Angaben zum größten Teil rote Zahlen. Ein Grund: überproportional viele Extremkostenfälle. So heißen Patienten mit besonders schwierigen und komplizierten Erkrankungen. Schleswig-Holsteins Krankenhäuser müssen seit Jahren mit einem niedrigen Landesbasisfallwert wirtschaften. Besonders die Kinderkliniken sind unterbewertet und unterfinanziert.

Kinder- und Jugendmedizin, traditionell am unteren Ende des Verdienst-Rankings, findet keinen Nachwuchs mehr, vor allem wird qualifiziertes Pflegepersonal rar. Man hat in den vergangenen acht Jahren oft den Satz gehört, dass Banken systemrelevant seien, aber nicht ein Mal den Satz: Gesundheit ist systemrelevant.

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Kinderintensivstation
Foto: Vor seiner plötzlichen Erkrankung war Michelangelo ein lebhafter Junge. Am UKSH könnte dem Jungen nach Expertenmeinung am besten geholfen werden. Doch es ist kein Bett für ihn frei.

Die Bemühungen, den lebensbedrohlich erkrankten sechsjährigen Michelangelo, der auf der Kinderintensivstation der Berliner Charité im künstlichen Koma liegt, ins UKSH Kiel zu verlegen, gehen weiter.

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