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Frank Behling zu Traditionsschiffen

Kommentar Frank Behling zu Traditionsschiffen

Die Traditionsschiffe haben ihren festen Platz in den Häfen. Alte Segler mit ihren Rahen genauso wie die qualmenden und liebevoll zischenden Dampfschiffe sind schwimmende Zeitzeugen. Vielen dieser Schiffe droht nun aber durch die neue Sicherheitsrichtlinie ernste Gefahr.

Kiel. Anders als in vielen EU-Ländern sind diese Schiffe in Deutschland im Besitz von Vereinen. Sie finanzieren den Unterhalt der Schiffe durch den Einsatz des Ehrenamts und den Verkauf von Fahrkarten. Das ist auch der Grund, weshalb es hierzulande nur ganz wenige große Museumsschiffe gibt. Sie sind hier kaum finanzierbar. Finanzierbar ist auch das nicht, was die neue Sicherheitsrichtlinie des Verkehrsministeriums jetzt fordert. Ein Umbau der Schiffe würde Millionen kosten.

 Der Vorstoß des Bundesverkehrsministeriums spiegelt aber auch den Zeitgeist in Deutschland wider. Passiert ein Unglück, muss fast immer ein Schuldiger her. Schnell werden Politik und Behörden verantwortlich gemacht. Die Frage der Eigenverantwortung und des allgemeinen Lebensrisikos sind dagegen im Bewusstsein weiter Teile der Bevölkerung nicht mehr existent. Was würde wohl passieren, wenn ein Traditionssegler mit Schulkindern am Kieler Leuchtturm kentert? Viele würden sicher die Verantwortung nach Berlin ans Ministerium schieben.

 Vor diesem Hintergrund ist es nur zu gut verständlich, dass sich das für die Sicherheit auf See zuständige Ministerium durch strenge Richtlinien absichern will. Notfalls wird eben die Traditionspflege geopfert.

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Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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