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Harald John zum Klimawandel in Washington

Kommentar Harald John zum Klimawandel in Washington

US-Präsident Barack Obama hat offenbar eine Leidenschaft entwickelt, das Unmögliche möglich machen zu wollen. In Washington kündigte er gestern Abend an, die Klimaziele der Vereinigten Staaten drastisch zu verschärfen. Nach den neuen Vorgaben müssten Kraftwerke ihren Schadstoffausstoß bis zum Jahr 2030 um mehr als ein Drittel reduzieren, wusste die „New York Times“ schon vorher.

Umgehend lief die republikanische Opposition heiß: Obama führe einen „Krieg gegen Kohle“. Hunderte Kohlekraftwerke müssten geschlossen werden, in der Folge sei der Niedergang der Wirtschaft zwangsläufig.

Doch bei aller vorhersehbaren Schwarzmalerei müssen auch härteste Kritiker zugestehen: Eine „lame duck“, eine lahme Ente, ist dieser 44. Präsident der Vereinigten Staaten nicht. Nach der Gesundheitsreform, der historischen Wiederannäherung an Kuba und dem Atomdeal mit dem Iran ist es der nächste Coup Barack Obamas. Beim Blick in den Rückspiegel wird deutlich: Während gerade europäische Kritiker diesen Präsidenten schon als gescheitert abgeschrieben hatten, arbeitete Obama still und verbissen weiter an seiner politischen Agenda. Im Dezember 2012 hatte er den Klimaschutz zu einem zentralen Ziel seiner zweiten Amtszeit erklärt, ein halbes Jahr später stellte er erste Entwürfe seines Masterplans vor. Nun, nach einem Jahr intensiver Beratungen mit allen gesellschaftlichen Gruppen, steht „America’s Clean Power Plan“. Obama bezeichnet ihn zu Recht als den größten und bedeutendsten Schritt, den Klimawandel zu bekämpfen.

Dieser Vorstoß aus Washington wird flankiert von alarmierenden Meldungen aus Zürich und Potsdam. Während aus der Schweiz Studien bekannt werden, dass unsere Gletscher schneller denn je abschmelzen, warnt eine deutsch-amerikanische Forschergruppe, dass der hohe Kohlendioxid-Ausstoß unsere Ozeane unwiederbringlich zu versauern drohen. Vor diesem Hintergrund ist es sicher hilfreich, dass auch die Vereinten Nationen den Klimaschutz am Sonntag zu einem ihrer 17 „Nachhaltigen Entwicklungsziele“ erklärt haben. Wichtiger aber scheint, dass es Obama und seine Berater nun mit der globalen Dimension zunehmender Extremwetterlagen und der steigenden Zahl von Klimaopfern aufnehmen wollen. Es sei nicht mehr Sache eines Landes, geschweige denn eines US-Bundesstaates, Klimaschutz gegen Wirtschaftswachstum auszuspielen. Um dies zu unterstreichen, hat die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton umgehend angekündigt, den strikten Kurs Obamas im Falle eines Sieges unbedingt fortführen zu wollen.

Kritiker glauben zwar, dass es Obama mehr um seine Rolle in den Geschichtsbüchern geht als um echten Wandel. Doch welches seine Motive am Ende auch immer sein mögen: Der Beginn der Klimawende in den USA wird den Druck auf Länder wie China, Brasilien und Indien erhöhen, die unbedingt mitgenommen werden müssen. Obama hat den Kampf gegen den Klimawandel zum Thema für alle gemacht.

Von Harald John

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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