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Heike Stüben zum DAK-Psychoreport

Kommentar Heike Stüben zum DAK-Psychoreport

Regelmäßig vermelden die Krankenkassen, dass die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen schon wieder gestiegen sind. Werden aber auch Konsequenzen daraus gezogen? Wer Betroffene fragt, hat zunehmend Zweifel daran.

Denn bei keiner anderen Krankheit – abgesehen von Umwelterkrankungen – werden die Betroffenen so alleingelassen. Wer in Deutschland einen Therapieplatz sucht, wartet im Schnitt ein halbes Jahr darauf. Das bedeutet: Manche warten, wenn der Leidensdruck zu groß geworden ist und sie sich endlich zu ihrer Erkrankung bekennen, über ein Jahr auf Hilfe. Vorher telefonieren sie lange Listen ab, um einen freien Platz bei einem Psychotherapeuten zu ergattern – nicht ahnend, ob der Therapeut und seine Methode in diesem Fall überhaupt passen.

So wird wertvolle Zeit vergeudet, die Erkrankung verschlechtert sich, die Behandlung dauert umso länger. Leiden werden unnötig vergrößert, Kosten massiv in die Höhe getrieben. Dass für das gleiche Geld die doppelte Menge Patienten behandelt werden könnte, wenn diese nur schnell genug in Therapie kämen, hat die Hospitalgesellschaft schon im Jahr 2004 nachgewiesen. In Schleswig-Holstein wird zwar versucht gegenzusteuern: mehr Therapeuten, mehr Beratung, mehr integrative Behandlungen. Doch der große Wurf fehlt. Psycho-Reporte sind gut und schön. Aber den Kranken helfen sie überhaupt nicht.

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Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Insgesamt werden Frauen doppelt so häufig krankgeschrieben wie Männer.

Psychische Probleme, Angststörungen, Depressionen – jede fünfte Krankschreibung in Schleswig-Holstein erfolgt aufgrund eines seelischen Leidens. Der Anteil der gelben Zettel mit solchen Diagnosen lag 2014 bei 19,2 Prozent. Nur in Hamburg ist die Quote mit 22,3 Prozent noch höher.

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