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Heike Stüben zum Medizinstudium

Kommentar Heike Stüben zum Medizinstudium

Der Numerus Clausus ist ein Kind der 1960er. Damals, als immer mehr junge Menschen studieren wollten, waren vor allem die Medizinstudienplätze rar. Der Numerus Clausus schränkte den Zugang ein. Doch schon in den 1970ern beschied das Bundesverfassungsgericht, dass derlei Auswahlregelungen jedem mit Abitur eine Chance lassen müssten.

So kam es zu einem typisch deutschen Phänomen: Wer lange genug wartet, kann selbst mit schlechtem Abi ein Medizinstudium beginnen. Das ist im Prinzip gut, weil ein Super-Abi nicht automatisch einen guten Mediziner garantiert. Das Problem ist, dass die Wartezeiten ausgeufert sind. Weil es viel mehr 1,0-Abiturienten gibt. Vor allem aber, weil die Zahl der Bewerber viel schneller als die der Studienplätze gewachsen ist. Und dieses Problem könnte auch die Abschaffung des Numerus nicht lösen. Es würde nur anders, aber weiterhin massiv gesiebt.

 Es besteht also Handlungsbedarf: Es braucht Auswahlkriterien, die die Bewerber herausfiltern, die am besten geeignet für den Arztberuf sind. Und es braucht eine Bedarfsberechnung, wie viele Ärzte wir benötigen. Das muss das absolute Minimum an Studienplätzen sein. Nur so können zwei Probleme gelöst werden: dass Bewerber in Wartestellung Ausbildungsplätze in der Pflege blockieren. Und dass wir Ärzte aus dem Ausland abwerben und dort die Gesundheitsversorgung ausblutet. Es geht am Ende um Gerechtigkeit: Denn wer gut gestellt ist, kann sich ohnehin – Numerus Clausus hin oder her – einen Studienplatz im Ausland leisten.

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Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Numerus Clausus
Begehrtes Fach: Erstsemester in einer Vorlesung für Medizin.

Ist der Numerus Clausus mit dem Grundgesetz vereinbar? Über diese Frage wird ab heute vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt. Anlass sind die Klagen zweier Bewerber, die aufgrund ihrer Abiturnoten für ein Medizinstudium abgelehnt wurden.

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