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Heike Stüben zur Awo

Kommentar Heike Stüben zur Awo

Die Awo will in ihrem Unternehmensverbund aktiv gegen menschenfeindliche Tendenzen vorgehen. Ist das nun ein ernsthaftes „Wehret den Anfängen“ oder ist es nur Schaumschlägerei, gar ein Werbe-Coup? Das wird der Wohlfahrtsverband noch beweisen müssen.

Doch unabhängig von der Motivlage: Es ist gut und überfällig, dass sich ein Unternehmen so offen positioniert.

Natürlich kann man argumentieren, dass der SPD-nahe Wohlfahrtsverband ein geringes Risiko eingeht, weil er wahrscheinlich nie in die Lage kommt, seine Ankündigung durchzusetzen. Doch das ist falsch. Niemand kann garantieren, dass bei mehr als 21000 Mitarbeitern und Mitgliedern alle immun sind gegenüber demokratiezersetzenden Strategien. Vor allem aber riskiert die Awo – das zeigen Beispiele aus anderen Landesverbänden – Anfeindungen und auf einem hart umkämpften Markt wie der Pflege auch den Verlust von heutigen und künftigen Kunden. Insofern ist der Schritt mutig.

Und er ist notwendig. Die ersten Reaktionen zeigen, dass es eine Scheu vor klaren Positionierungen gibt. Unabhängig davon, ob man das Vorgehen der Awo positiv oder negativ bewertet, ob man Gesinnungsschnüffelei bei Mitarbeitern fürchtet, ob man findet, dass Politik nichts in Unternehmen zu suchen hat oder dass die Haltung der Mitarbeiter auch einen Markenwert hat – eine offene Diskussion darüber gehört in einer Demokratie zu einer angemessenen Reaktion auf die zunehmende Anfeindungen von Menschen, nur weil sie zu einer bestimmten Gruppe gehören.

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Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Landesverband
Foto: Michael Selck, Awo-Landesgeschäftsführer, setzt auf Gespräche, sollten Mitarbeiter gegen die Grundwerte verstoßen. Er schließt im Extremfall aber auch eine Kündigung nicht aus.

Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Schleswig-Holstein positioniert sich öffentlich gegen Rassismus: Sie duldet keine menschenverachtenden Handlungen oder Äußerungen in seinen Reihen. Die Awo stellt sich damit als erstes Unternehmen aktiv gegen Rechtspopulismus – wohl wissend, dass die Umsetzung nicht einfach ist.

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