10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Heike Stüben zur Legalisierung von Cannabis

Kommentar Heike Stüben zur Legalisierung von Cannabis

Die staatliche Cannabispolitik ist gescheitert. Sie hat nicht verhindert, dass Cannabis die verbreiteste illegale Droge ist. Sie hat nicht verhindert, dass der Stoff leicht zugänglich ist, dass er hohe Risiken für Konsumenten durch unerkannt hohen Wirkstoffgehalt und das Strecken mit Blei, Glas und anderen Stoffen birgt.

Vor allem hat sie nicht verhindert, dass fast jeder vierte Jugendliche Erfahrungen mit der Droge hat. Prävention, Verbraucherschutz, Jugendschutz – das Betäubungsmittelrecht hat sich in all diesen Bereichen als stumpfes Schwert erwiesen.

Dabei wäre gerade der Schutz der Jugendlichen so wichtig. Denn Cannabis kann in dieser Entwicklungsphase zu irreversiblen Schädigungen des Gehirns führen, kann Psychosen und Schizophrenie begünstigen. Bei Erwachsenen aber können Cannabisprodukte Schmerzen lindern, Entzündungen hemmen, Nerven schützen. Ein Segen für Menschen mit MS, Rheuma, Arthrose und vielen anderen Krankheiten. Doch viele Betroffene verlieren noch immer den Streit mit den Kassen. Es bleiben: Schwarzmarkt und latente Kriminalisierung. Das ist unsinnig und unwürdig. Und schließlich sind da die Erwachsenen, die Cannabis wie andere Bier oder Wein konsumieren. Warum ist das eine verboten, das andere aber nicht?

Die Zeit ist reif für die Herausnahme aus dem Betäubungsmittelgesetz, für einen staatlich kontrollierten Markt mit einem strikten Cannabis-Verbot unter 18, ein Werbeverbot und Nulltoleranz im Straßenverkehr. Es wäre eine Chance, den Cannabis-Schwarzmarkt auszutrocknen, Jugendliche besser zu schützen, Erwachsene zu entkriminalisieren und Kranke würdig zu behandeln.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Gewinnspiele

Kostenlos mitmachen
und mit etwas Glück
jetzt gewinnen!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Freigabe von Cannabis
Foto: In Deutschland verboten: Im US-Bundesstaat Colorado (Foto) blüht der Hanf. Das aus der weiblichen Pflanze gewonnene Harz ist eine psychoaktive Droge, die als Joint geraucht oder etwa als Haschkeks gegessen werden kann. Umstritten ist, ob die Droge harmloser oder gefährlicher ist als Alkohol.

Im Landeshaus ist der Streit über die Freigabe von Cannabis neu entbrannt. Grüne, FDP und Piraten sind dafür, CDU und SPD sprechen sich dagegen aus. Sozialministerium und Suchtexperten warnen davor, die Droge zu verharmlosen. Die Liberalen hatten die Debatte am Wochenende befeuert: Auf ihrem Bundesparteitag forderte die FDP eine Cannabis-Freigabe unter strengen Auflagen.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr