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Heike Stüben zur NS-Studie

Kommentar Heike Stüben zur NS-Studie

Der Ruf wurde leiser in den vergangenen Jahren, aber los wurde ihn Schleswig-Holstein nie: der Ruf, dass hier halbherzig bis gar nicht entnazifiziert wurde, dass hier eine aktive NS-Vergangenheit kein Hindernis darstellt für die weitere politische Karriere.

Die Untersuchung vom Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte belegt jetzt: Es gab solche Kontinuitäten in den Lebensläufen von Landespolitikern. Erschreckend sind Ausmaß und Dauer dieser lückenlosen Politiker-Karrieren, ohne dass dies je transparent gemacht wurde. Für alle, die im 20. Jahrhundert zu Landtagswahlen gegangen sind, kommt diese Untersuchung Jahrzehnte zu spät.

Dennoch ist es wichtig, dass dieses verdrängte Kapitel endlich erhellt wird. Ein gutes Signal ist, dass diese Untersuchung auf einem einstimmigen Votum der Landtagsfraktionen basiert und sie nach erstem Anschein mit ungeheurem Aufwand und ohne ideologische Eiferei betrieben worden ist. Es ging den Wissenschaftlern nicht ums Richten und Verurteilen, sondern um die Abbildung und Einordnung eines landesgeschichtlichen Phänomens, dessen Tragweite für die politischen Entscheidungen nach 1950 noch völlig unklar ist. Welche Strukturen haben diese personellen Kontinuitäten ermöglicht? Und liegt hier die Erklärung für die jahrzehntelange politische Zerrissenheit im Land? Solche Fragen zu klären, ist für die Zukunft des Landes womöglich noch wesentlicher als die notwendige Aufarbeitung von Karrieren einzelner Politiker mit brauner Vergangenheit.

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Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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