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Heike Stüben zur Pflege-Demo

Kommentar Heike Stüben zur Pflege-Demo

Die Pflege rast auf einen Abgrund zu, und plötzlich schreien alle: Halt! Dabei hat die Fahrt schon im vergangenen Jahrhundert begonnen. Schon damals war klar, dass die Personalschlüssel nicht ausreichen, und Sozialministerin Heide Moser ließ untersuchen, wie viel Personal für eine individuelle Pflege notwendig wäre.

Die Plaisir-Studie ergab: 20 Prozent mehr. Das war 2002. Seither hat sich einiges verändert: Die Menschen kommen in deutlich schlechterem Zustand ins Heim. Die Zahl der demenziell Erkrankten steigt stetig. Immer mehr Plfegebedürftige haben keine Angehörigen in der Nähe – die Pflegekräfte sind die einzigen Bezugspersonen. Würde Plaisir heute wiederholt, die Personallücke wäre noch größer. Dass ein neues, bundesweites System der Personalbemessung her muss, ist auch in der Bundesregierung unbestritten. Die Gesetzesänderung ist angeschoben. Doch ob sie noch rechtzeitig kommt, ist zweifelhaft.

Also weiter wie bisher? Nein! Die Landesregierung sollte den Vorschlag eines verbindlichen Altenpflege-Tarifvertrags ernsthaft prüfen. Der bringt zwar nicht mehr Stellen, hätte aber Signalwirkung: Ihr seid es wert! Und er gäbe den Arbeitgebern, die heute Tarif zahlen, eine Chance auf dem Markt. Denn immer mehr Menschen können ihren Anteil fürs Heim nicht allein finanzieren. Springt aber das Sozialamt ein, fordert die Kommune meist das billigste Heim. Und da wird das Personal meist nicht nach Tarif bezahlt.

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Verdi
Foto: Verdi hat für Donnerstag, dem Internationalen Tag der Pflege, einen Aktionstag mit Protestkundgebungen in Lübeck, Kiel, Schwerin und Rostock angekündigt.

Protest auf der Straße, Kongress im Landeshaus – am Internationalen Tag der Pflege ging es in der Landeshauptstadt am Donnerstag gleich doppelt um Personalmangel, Arbeitsbedingungen, Scheinselbstständigkeit.

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