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Heike Stüben zur Rechtsmedizin

Kommentar Heike Stüben zur Rechtsmedizin

Die Rechtsmedizin hat einen schweren Stand in Deutschland. Institute werden geschlossen oder zusammengelegt. Auch in Schleswig-Holstein stand die Rechtsmedizin zur Diskussion, kritisierte der Landesrechnungshof jahrelang das dortige Defizit. Dass die Landesregierung diese Baustellen jetzt abräumt, ist deshalb gut.

Das gibt den Bürgern die Gewissheit, dass sie mit Kiel und Lübeck Rechtsmediziner in erreichbarer Nähe haben. Denn Untersuchungen zeigen: Je weiter entfernt der Leichenfund, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass das Opfer überhaupt in die Rechtsmedizin kommt.

 Dennoch bleibt ein Grundproblem bestehen: Viel zu oft bleiben Tötungsdelikte und nicht natürliche Todesfälle offenbar unentdeckt. 2014 ergab eine Studie aus Hannover, dass 69 Prozent der vermeintlich natürlichen Todesfälle gar nicht natürlich oder zumindest ungeklärt waren. Als eine Hauptursache wurde die mangelnde Erfahrung von Ärzten ausgemacht. Aber wie sollen Mediziner das vermeintliche Herzversagen als Giftmord oder einen vermeintlichen Suizid als Tötung erkennen, wenn sie in der Ausbildung nie solche Leichname untersucht haben? Würde es bei mehr Todesfällen eine zweite Leichenschau geben, würden grundsätzlich alle Suizide rechtsmedizinisch untersucht – dann würden nicht nur mehr Todesursachen aufgeklärt. Dann könnten Mediziner auch besser ausgebildet werden für die Leichenschau. Denn sie ist der allerletzte Dienst, den ein Arzt seinem Patienten erweisen kann.

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Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kieler Rechtsmedizin
Foto: Prof. Johanna Preuß-Wössner erläutert im Beisein von Dekan Prof. Ulrich Stephani (hinten links) und UKSH-Chef Prof. Jens Scholz Sozialministerin Kristin Alheit die Arbeit im Sektionssaal. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen, aber: „Es sind alles Tierknochen.“

Was am Kieler Institut des Universitätsklinikums alles geleistet wird, erläuterte Prof. Johanna Preuß-Wössner, Direktorin der ältesten Rechtsmedizin Norddeutschlands, am Montag Gesundheitsministerin Kristin Alheit – als Dank für die Erhaltung des Instituts.

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