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Jörn Genoux zur Panzer-Ehe

Kommentar Jörn Genoux zur Panzer-Ehe

Ein deutsches Familienunternehmen schließt sich mit einem französischen Staatskonzern zusammen, um gemeinsam Panzer zu entwickeln und zu bauen. Da treffen größtmögliche Kulturunterschiede aufeinander. Aber offensichtlich passt es. Zumindest zwischen den beiden Eigentümern der Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann und Nexter.

Aber ganz einfach war es zwischen den beiden wohl nicht. Denn erst nach langen Gesprächen und Verhandlungen wurde jetzt eine Einigung erzielt. Das ist ein spektakulärer Zusammenschluss, der in der Rüstungsbranche wegweisend für weitere sein könnte.

Spektakulär nicht so sehr wegen der Größe. Denn das neue Unternehmen wird zwar im Panzerbau ein maßgeblicher Akteur sein, aber als Rüstungskonzern im internationalen Maßstab ist es eher klein. Doch das muss nicht so bleiben. Newco, so der vorläufige Name, mit Sitz in den Niederlanden könnte die Basis bilden für den Aufbau eines europäischen Herstellers von gepanzerten Fahrzeugen. Branchenkenner schließen nicht aus, dass Finnmeccanica (Italien) und BAE Systems (Großbritannien) ihre Panzer-Aktivitäten mittelfristig in ein solches Unternehmen einbringen könnten.

Die Gründung von Newco dürfte aber weit über den Panzerbau hinaus Signalcharakter in Europa haben. Denn KMW und Nexter sind auf einem besonders sensiblen Feld tätig. Panzer sind eine besonders symbolträchtige Waffengattung. Deutschland hat seinen Leopard und Frankreich den Leclerc – benannt nach dem General des Zweiten Weltkriegs Jean-Philippe Leclerc.

Doch in Zeiten leerer Kassen und stagnierender oder schrumpfender Verteidigungsetats geben Regierungen auch manches nationales Symbol auf. Und daher haben Berlin und Paris das Projekt „Kant“ (KMW and Nexter together) zuletzt kräftig unterstützt. In den kommenden Jahren sollen Nachfolger für Leopard und Leclerc entwickelt werden. Zusammen können beide Unternehmen die Kosten für Entwicklung und Produktion kräftig reduzieren. Doch Newco muss kein Erfolg werden. Aus beiden Unternehmen ein neues zu formen, ist eine große Herausforderung. Denn, siehe oben, Kulturunterschiede lassen sich nicht mal eben per Vertrag aufheben.

Und Konflikte auf politischer Ebene dürften mit Sicherheit folgen. Denn wer bestimmt künftig, in welche Länder Newco seine Panzer exportieren darf – und in welche nicht? Frankreich ist in dieser Frage traditonell etwas großzügiger als Deutschland. Was beispielsweise Premierminister Manuel Valls kürzlich vor dem Parlament in Paris sagte, kann man sich von einem deutschen Regierungsmitglied kaum vorstellen: Mit Stolz sprach der Politiker über den Verkauf von 24 Kampfflugzeugen des Typs Rafale an das Emirat Katar. Das sei ein Beispiel dafür, dass der Wirtschaftsaufschwung in Frankreich allmählich zurück sei. Französische Qualität verkaufe sich eben gut – besonders dann, wenn sich der Staatspräsident ganz und gar in der Sache engagiere.

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Fusion
Foto: Am Mittwoch fand in Paris die Unterzeichnung der deutsch-französischen Fusion der Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Nexter Systems statt.

Die deutsch-französische Rüstungsfusion ist ein Schlag für den Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern. Denn Rheinmetall (Düsseldorf) und Krauss-Maffei Wegmann (KMW/München) kennen sich seit Jahrzehnten – nicht nur als Wettbewerber, sondern als Partner, die gemeinsam zentrale Rüstungsprojekte umgesetzt haben.

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