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Jürgen Küppers zur Veröffentlichung von "Mein Kampf"

Kommentar Jürgen Küppers zur Veröffentlichung von "Mein Kampf"

Nein, Grund zum Jubeln haben rechte Ideologen nicht, wenn sich Schüler im Norden demnächst Hitlers „Mein Kampf“ in voller Länge zu Gemüte führen können.

Nicht nur, weil die Historiker mit 3700 Anmerkungen in ihrer kritischen 2000-Seiten-Edition fast jeden Satz des Nazi-Diktators auf Lügen und propagandistische Verzerrungen hin unter dem Mikroskop wissenschaftlicher Methodik sezieren. Einerseits ist diese jahrelange wie gründliche Aufbereitung so redlich wie nötig zur Einordnung dieser kruden Mischung aus Größenwahn, Geschichtsklitterung und Hass. Andererseits sind diese am Freitag erstmals erscheinenden Wälzer kaum für einen normalen Unterricht geeignet. Sie dürften in den allermeisten Fällen Zeitbudgets der Schulen und Ausdauer der jungen Leser überfordern.

Trotzdem könnte allein die Diskussion um die jetzt ausgelaufenen Urheberrechte von „Mein Kampf“ Lehrer wie Schüler zu fruchtbaren Diskussionen ermuntern: Warum sind Bücher (oder Parteien) überhaupt verboten? Was macht ideologische Schriften so gefährlich? Wann und wie können sie einen Beitrag leisten, dass sich ganze Gesellschaften radikalisieren? Alles Fragen, die sich in diesen emotional so aufgeladenen Zeiten angesichts großer Verunsicherung durch Terror und Flüchtlingsangst förmlich aufdrängen. Vor allem an den Schulen ist eine solche Diskussion jetzt wichtig. Denn gerade dort entscheidet er sich oft: der Kampf der Argumente gegen ideologische Verblendung.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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