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Karen Schwenke zur Unterbringung von Flüchtlingen

Kommentar Karen Schwenke zur Unterbringung von Flüchtlingen

Seit Monaten sinkt die Zahl der zu uns kommenden Flüchtlinge. Was den Kommunen Entlastung bringt, schafft gleichzeitig neue Probleme. Denn auch ein Flüchtling, der erwartet wurde, aber dann nicht kommt, kostet Geld. So werden weiterhin Unterkünfte bereitgehalten, die nun unterbelegt sind.

Kiel. Dabei steht die Landeshauptstadt noch vergleichsweise gut da: Während hier rund 19 Prozent der Kapazitäten nicht besetzt sind, sind es landesweit in den Erstaufnahmeeinrichtungen 66 Prozent. Auf diese Zahlen werden diejenigen mit Genugtuung blicken, die sich gegen eine Unterkunft in ihrem Stadtteil gewehrt haben. Beispiel Schilksee: 110 von 160 Plätzen in den Containern sind ungenutzt. Da fühlen sich Anwohner bestätigt, die im Vorfeld lange gegen das Flüchtlingsdorf protestiert hatten.

Nun aber die Entscheider zu rügen, wäre falsch. In der Phase hoher Zugangszahlen waren sie trotz Planungsunsicherheit gezwungen, Unterkünfte zu schaffen. Baumaßnahmen wurden ausgeschrieben, Container bestellt, Gebäude angemietet, Verträge mit örtlichen Unternehmen geschlossen. Es gibt lauter widersprüchliche Interessen in diesem Prozess. Den Stimmen zu folgen, die jetzt den Rückbau der Einrichtungen fordern, wäre unklug. Denn über allem schwebt die höchst unsichere großpolitische Lage. Der Migrationsdruck dauert an. Wie lange der Deal zwischen der EU und der Türkei hält, wie lange die Flüchtlinge zurückgehalten werden, weiß keiner. Land und Kommunen sind daher gut beraten, auf einen erneuten Anstieg der Flüchtlingszahlen vorbereitet zu bleiben.

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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Unterkünfte im Land
Foto: Christopher Zentini (23) von der Firma Zentini Küchendesign aus Schwentinental hat geholfen, die alte Marinetechnikschule bewohnbar zu machen. Derzeit kommen  monatlich rund 60 Flüchtlinge nach Kiel.

In der nächsten Woche wird in Kiel eine neue Gemeinschaftsunterkunft mit 120 Plätzen für Flüchtlinge in Dietrichsdorf eröffnet. Gleichzeitig stehen 750 Plätze in den kommunalen Unterkünften leer. Die Verwaltungen müssen jetzt mit Leerständen umgehen.

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