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Klaus Kramer zur Olympia-Entscheidung

Kommentar Klaus Kramer zur Olympia-Entscheidung

Die Auswahlkommission muss sich ihrer Sache sehr sicher gewesen sein. Sonst hätte sie nicht so schnell zugunsten Kiels und gegen Rostock, Lübeck und Cuxhaven entschieden. Kiel bietet eines der besten Segelreviere der Welt und eine Infrastruktur, die sich in den Olympischen Segelwettbewerben 1972 bewährt hat. Beides gab den Ausschlag. Soll die Bewerbung Deutschlands für Olympia 2024 gelingen, dann braucht es Austragungsorte, deren Eignung nicht lang und breit erklärt werden muss. Orte, die für sich stehen. Kiel und Segeln: Das steht für sich.

Entscheidend wird darüber hinaus die Begeisterung in der Stadt gewesen sein. Wegen ihrer Vorfreude auf Olympia hatten die Hamburger bereits die Nase vor den Berlinern. Politisch korrekt wäre es nun gewesen, Ostdeutschland nicht ganz außen vor zu lassen und die Segelwettkämpfe nach Rostock-Warnemünde zu geben. Die Kommission hat sich gegen einen faulen Kompromiss und für die objektiven Vorteile Kiels entschieden. Diese Entscheidung ist ebenso klar wie mutig.

Politik, Wirtschaft und eine breite Mehrheit der Bürger ziehen in Kiel seit Monaten an einem Strang: Sie wollen Olympia - echt und ehrlich. Nicht nur, weil sie jedes Jahr wieder beweisen, dass sie große Feste feiern können, sondern weil sie auch erkennen, welche großen Chancen für die Entwicklung der Stadt in den Olympischen Spielen liegen.

Diese Einigkeit ist in Kiel alles andere als selbstverständlich: in einer Stadt, die seit Jahrzehnten vom Streit zwischen Rot und Schwarz geprägt wurde; in einer Stadt, in der Unternehmer oft mit den politisch Verantwortlichen haderten; in einer Stadt, der es im Schatten der Metropolregion Hamburg zunehmend fröstelig wurde. All das hat am Selbstbewusstsein der Kieler genagt. Doch Kiel muss sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Kiel kann noch mehr. Olympia 2024 kann zu einer gemeinsamen Vision von Politik, Wirtschaft und Bürgern werden.

Ein gesunder Lokalpatriotismus, bodenständig und ohne Allüren, die uns Norddeutschen ohnehin nicht liegen, täte Kiel ganz gut. Und nur, wenn aus dieser gemeinsamen Vision ein konkretes Konzept für erfolgreiche Segelspiele und nachhaltige Investitionen in den Standort Kiel wird, hat die Landeshauptstadt Chancen, 2017 vor dem Internationalen Olympischen Komitee zu bestehen. Es wird ein langer Weg, aber der Weg lohnt sich.

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Ein Artikel von
Klaus Kramer
Chefredakteur / Ressortleiter Nachrichten

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Bekanntgabe des Olympia-Segelstandorts
Foto: Sie haben gut lachen (v.l.): Gerwin Stöcken (Dezernent für Sport), Peter Todeskino und Christian Riediger (Projektleiter für die Olympiabewerbung).

Der Jubel war unbeschreiblich: Die Nachricht, dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), die Stadt Hamburg und der Deutsche Segler-Verband Kiel als Segel-Standort für Olympia 2024 auswählten, löste an der Förde eine Riesenfreude aus.

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