12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Konrad Bockemühl zur Stärkung der Museumslandschaft

Kommentar Konrad Bockemühl zur Stärkung der Museumslandschaft

Als im Mai 2012 der Vertrag über die Aufnahme des Freilichtmuseums Molfsee unter das Dach der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen besiegelt wurde, herrschte eitel Freude. Die Existenz des Museums am Rande Kiels war als neues Landesmuseum für Volkskunde gesichert.

Es gab auch noch einen millionenschweren Förderbescheid für weitere Sanierungen im historischen Gebäudebestand. Dazu die vage Perspektive, die „Schatzkiste“ mit einem Ausstellungsneubau zukunftsfähig zu gestalten: Man wollte Molfsee als neues Zentrum der vom Schleswiger Hesterberg abgezogenen Volkskunde etablieren und für den ganzjährigen Museumsbetrieb rüsten. 5,5 Millionen Euro sollte das maximal kosten – woher die jedoch kommen sollten, war völlig unklar. Wie vieles in der Kulturpolitik.

Inzwischen hat die neue Landesregierung einen gern mal kühn philosophierenden und sichtlich kulturaffinen Ministerpräsidenten. Sie hat überdies eine aus Überzeugung engagierte Kulturministerin. Und so manches ist klarer geworden. Wem Anke Spoorendonks verbindlich entwickelten Kulturperspektiven anfangs zu abgehoben erschienen, der kann heute feststellen, dass den Worten durchaus Taten folgten. Selbst unter erschwerten finanziellen Rahmenbedingungen.

Die Ministerin kämpft auf verschiedenen Feldern für „ihre“ Kultur als Daseinsvorsorge und gesellschaftliches Fundament. Als Bildungsauftrag und Standortfaktor. Sie erreichte, dass die Finanzausgleichsmittel für die Theater nach Jahren des Stillstandes kurz vor deren finanziellem Kollaps wieder dynamisiert wurden. Damit schuf sie Vertrauen und neue Verlässlichkeit. Und verschaffte sich mit ihrer Dialogbereitschaft Respekt bei Kulturschaffenden, die den Glauben in die (Kultur-)Politik schon fast verloren hatten. Sie setzte sich für Kultur in der Fläche ein, etwa eine Professionalisierung durch Kulturknotenpunkte. Folgerichtig engagiert sie sich auch für die Zukunft des Landestheaters – eine Dauerbaustelle, deren latente Einsturzgefahr freilich durch die beteiligten Kommunen verursacht ist.

Nun sind wichtige Zeichen für die Museumslandschaft, das kulturelle Erbe, gesetzt. Von dem kulturpolitisch konsequenten Molfsee-Beschluss wird nicht nur die Attraktivität des Freilichtmuseums profitieren. Auch die Landeshauptstadt ist durch starke touristische Ziele an ihren Rändern gestärkt. Die Volkskunde löst sich aus dem Schatten der Gottorfer Schlossinsel. Als neues Zentrum der Zeitgeschichte kann sie in historischem Umfeld auch gegenwartsrelevante Fragen praxisnah aufbereiten. Die Flüchtlingsthematik gehört dazu.

Diese Kultur-Baustelle ist also hoch willkommen. In vier Jahren soll sie abgearbeitet sein. Weitere werden im Zuge des millionenschweren Masterplanes für Schloss Gottorf vorbereitet. Auch in der Stiftung Landesmuseen wird neu gedacht. Attraktivitätsgewinn ist kein Selbstzweck und damit Geld wert. Das auch politisch zu vermitteln, ist eine stete Herausforderung. Jenseits jener unsäglichen Kultur-Baustellen, die mehr mit Tiefschlägen als mit Tiefbau zu tun haben. Und mehr mit Profilierung als mit Politik.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

Mehr zum Artikel
Molfsee
Foto: Scheunendächer in moderner Architektursprache: Der neue Eingangs- und Ausstellungskomplex im Entwurf.

Die Landesregierung hat den Weg freigemacht für den Neubau eines Eingangs- und Ausstellungshauses im Freilichtmuseum Molfsee. 2019 soll Eröffnung sein. Die Stiftung Landesmuseen als Trägerin wird in den kommenden Jahren auch in anderen Bereichen finanziell gestärkt.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus KN-Kommentare 2/3