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Kristian Blasel zur AfD

Kommentar Kristian Blasel zur AfD

Franz Schönhuber hat es mit den Republikanern in den 80er-Jahren vorgemacht. Ronald Schill schaffte es 2001 in Hamburg. Und Bernd Lucke gelang zuletzt das selbe Kunststück: Innerhalb kurzer Zeit etablierten diese Männer rechts von der Union Parteien, die spektakuläre Wahlerfolge feiern konnten – auch, weil sie Köpfe an der Spitze hatten, die weit ins bürgerliche Lager hinein auf Akzeptanz gestoßen sind.

Seit dem Wochenende gibt es eine weitere Parallele. Es gelingt diesen Parteien nie, dauerhaft Fuß zu fassen. Weil es eben nicht ausreicht, einfach gegen „die Etablierten“ zu sein, sondern jede Protestbewegung auf Dauer einen thematisch breiten programmatischen Konsens benötigt. Die Grünen sind die letzten, denen dies in den vergangenen 40 Jahren gelungen ist.

Noch ist das Ende der AfD zwar nicht besiegelt. Aber alles deutet darauf hin, dass die Partei keine Zukunft mehr hat – zumindest nicht auf Bundesebene. Ausgerechnet der abgewählte Lucke warnt inzwischen vor dem, was er stets als Demagogie bezeichnet hat, wenn es aus dem Mund seiner Kritiker kam: Nun bescheinigt auch er der jungen Partei einen Rechtsruck. Sein Versuch, die AfD in der Ausländerpolitik zu differenzierten Antworten zu bewegen, ist in Essen kläglich gescheitert.

Ab sofort wird die Rhetorik der Partei damit von Menschen wie Alexander Gauland aus Brandenburg und Björn Höcke aus Thüringen bestimmt, die sich kaum noch bemühen, auf Distanz zu Rechtsradikalen zu bleiben. Der Zugang zu Stimmen aus der Mitte der Gesellschaft sollte ihnen damit verwehrt bleiben. Hoffentlich.

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Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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In welche Richtung nun? Frauke Petry beim AfD-Parteitag in Essen. Die neu gewählte AfD-Vorsitzende hatte sich am Vortag gegen Parteigründer Bernd Lucke durchgesetzt.

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dpa

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