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Kristian Blasel zur Kieler Erklärung

Kommentar Kristian Blasel zur Kieler Erklärung

Ein bisschen merkwürdig ist das schon. Stadt, Wirtschaft und Gewerkschaften setzen sich in Kiel an einen Tisch und loben sich anschließend für etwas, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: dass sie miteinander reden; dass sie Arbeitsplätze erhalten und schaffen wollen.

Und dass sie künftig ganz eng miteinander zusammenarbeiten. In Süddeutschland, berichtete IHK-Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann, seien die Unternehmen viel besser vernetzt. Insofern kann man den hiesigen Akteuren nur zurufen: Tempo, bitte! Kommunikation kostet wenig. Für die mangelnde Vernetzung der Industrie im Norden kann nicht einmal die unbefriedigende Infrastruktur und unzureichende Unterstützung durch Land und Bund verantwortlich gemacht werden.

 Trotzdem wäre es unfair, die Initiative als Papiertiger zu verspotten. Denn natürlich ist es lobenswert, wenn kommunikative Defizite der Vergangenheit endlich beseitigt werden. Außerdem haben die Unterzeichner tatsächlich den Mut, in manchen Punkten sehr konkret zu werden. Wenn also in einigen Jahren beispielsweise das MFG-5-Gelände nicht ordentlich erschlossen ist, hiesige Unternehmen weiterhin über Defizite beim Breitbandausbau klagen und Großunternehmen südlich der Elbe die Förde-Region eher mit Delfinen und Handball in Verbindung bringen als mit potenziellen Standortinvestitionen, dann war der Industriepolitische Dialog ein Reinfall. Der selbstauferlegte Druck ist richtig. Den Menschen in und um Kiel ist zu wünschen, dass der „Dialog“ zu einer Erfolgsstory wird, die sich bald in Ansiedlungen und Arbeitsplätzen niederschlägt.

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Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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Kieler Erklärung
Foto: Wollen gemeinsam das Image des Industriestandorts Kiel verbessern (v. l.): Frank Hornschu (DGB), Peter Seeger (IG Metall), IHK-Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Kiwi-Geschäftsführer Werner Kässens und Walterwerk-Geschäftsführer Andreas E. Eule.

An einem Tisch redeten sie Gutes übereinander: Vertreter von Stadt, Wirtschaft und Gewerkschaften haben am Donnerstag in den Räumen der Walterwerke in Projensdorf die „Kieler Erklärung“ unterzeichnet – ein Arbeitsprogramm, mit dem der Industriestandort Kiel in den nächsten Jahren vorangebracht werden soll.

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