22 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Kristian Blasel zur Kieler Flüchtlingspolitik

Kommentar Kristian Blasel zur Kieler Flüchtlingspolitik

Groß ist die Sehnsucht nach einfachen Lösungen in der Flüchtlingspolitik – auch in Kiel. Aber ein halbes Jahr nach Beginn des Ansturms ist die Situation vor allem eins: extrem vielschichtig. Da gibt es die vielen ehrenamtlichen Helfer, die sich mit unverändertem Engagement um die Neuankömmlinge kümmern und dem Staat dort helfen, wo seine Kräfte nicht mehr ausreichen.

Sie füllen den abstrakten Begriff „Integration“ mit Leben und schaffen damit die Voraussetzung, dass überhaupt ein friedliches Miteinander entstehen kann. Da gibt es aber auch die vielen Menschen, die das nachvollziehbare Gefühl haben, dass sich unsere Gesellschaft übernimmt. Und denen die Bereitschaft fehlt oder verloren gegangen ist, sich auf die vielen Fremden einzulassen. Die einen als „Gutmenschen“ zu verspotten, ist genauso dämlich, wie die anderen in die rechte Ecke zu stellen.

Der Stadtspitze wiederum macht derzeit das einzig Richtige: Sie nutzt die Verschnaufpause, die ihr die politische Großwetterlage beschert, um nachhaltiger vorzugehen als im vergangenen Herbst. Jetzt geht es darum, die Belastung in Kiel gerechter zu verteilen und Wohnraum zu schaffen, der mehr als ein Provisorium ist. Jetzt geht es darum, durch Sprachkurse die angekommenen Flüchtlinge mit unseren Regeln vertraut zu machen. Dass dies nicht nur mit wohlwollendem Beifall passiert, beweisen die Proteste in Schilksee und Suchsdorf. OB und Dezernenten haben keine andere Wahl: Sie müssen ihre Politik immer wieder erklären – und ständig nachjustieren, weil es für diese Aufgabe keinen Königsweg gibt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

Mehr zum Artikel
Kieler Stadtgespräch
Foto: Mussten sich diesmal kaum Kritik anhören (von links): Sozialdezernent Gerwin Stöcken, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Polizeichef Thomas Bauchrowitz und die Leiterin der Flüchtlingseinrichtung in der Wik, Semra Basoglu von der Diakonie Altholstein beim dritten Stadtgespräch im Legienhof.

Rund 150 Menschen diskutierten am Montagabend über die Situation der Flüchtlinge in Kiel, im Fokus stand diesmal die Wik. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer kam in den Legienhof, Sozialdezernent Gerwin Stöcken war wie immer dabei, aber auch Polizeichef Thomas Bauchrowitz stellte sich den Fragen der Bürger.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus KN-Kommentare 2/3