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Lars Ruzic zu Winterkorns Rücktritt

Kommentar Lars Ruzic zu Winterkorns Rücktritt

Viel war am Mittwoch in Martin Winterkorns Rücktrittserklärung die Rede von Bestürzung. Damit steht der langjährige VW-Chef beileibe nicht allein da. Hunderttausende Mitarbeiter und Millionen Kunden und wohl die gesamte deutsche Industrie teilen diese Fassungslosigkeit. Nur: Im Gegensatz zum Konzernlenker dürfen sie es sich erlauben.

So riesig Winterkorns Beitrag zum Aufstieg des Wolfsburger Autobauers war: Dieser Rücktritt war unumgänglich. Weil nicht sein darf, dass unter den Augen eines Vorstandschefs ganze Entwicklungsteams ihre kriminelle Energie ausleben können. Weil nicht sein kann, dass die US-Untersuchungen in Wolfsburg schon lange bekannt waren, der Aufsichtsrat aber nicht unterrichtet wurde. Und, ja, auch weil der patriarchalische Stil der Ära Piëch/Winterkorn im Hause VW einen Druck erzeugt hat, der letztlich in seiner absurdesten Konsequenz Verwerfungen hervorgebracht hat, wie sie nun in Rede stehen.

Das einstige Traumduo hinterlässt einen in noch unbekanntem Ausmaß taumelnden Riesen, der nicht nur sein eigenes Ansehen, sondern das der deutschen Industrie insgesamt ramponiert hat. Die Abgas-Affäre lückenlos aufzuklären, wird für die neue Führungsmannschaft noch die einfachere Aufgabe sein. Die größere Herausforderung liegt in der Reform des Konzerns selbst – auch weil der lange Zeit nicht mehr gut dastehen wird. Die Eigentümer sollten ein Zeichen setzen – und einen Vorstandschef ernennen, der nicht unter Piëch/Winterkorn groß geworden ist.

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Lars Ruzic
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Im VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte wirft Konzernchef Winterkorn das Handtuch. Er selbst will aber nichts davon gewusst haben. Der Konzern wird Strafanzeige gegen die Schuldigen erstatten.

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