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Martina Drexler zu 350 Jahre CAU

Kommentar Martina Drexler zu 350 Jahre CAU

Glückwunsch an die CAU. Es war Ministerpräsident Torsten Albig, der die immense Bedeutung der Kieler Universität an ihrem 350. Geburtstag auf den Punkt brachte. Ohne sie wäre Schleswig-Holstein wirtschaftlich, kulturell, intellektuell und gesellschaftlich ärmer.

Als einzige Volluniversität mit langer, wechselvoller Geschichte stand und steht die CAU wie keine andere Hochschule im Spannungsfeld zwischen Unabhängigkeit und Fremdbestimmtheit und damit immer, wie Universitätspräsident Prof. Lutz Kipp es ausdrückte, in komplexer Wechselbeziehung mit dem jeweiligen regierenden Staat und der Gesellschaft. CAU, Kiel und Schleswig-Holstein prägen und beeinflussen sich gegenseitig – im Positiven wie im Negativen. Dies belegt gerade die Geschichte ihrer Jubiläumsfeiern eindrucksvoll.

Als Kaderschmiede für Beamte und Pfarrer gegründet, wandelte sie sich auch zu einer Institution der Breitenbildung. Aber immer wieder verhinderten Kriege, Finanznot oder politische Wirren ausgelassene Feierlichkeiten. Als der 100. Geburtstag nahte, drohte ihr die Schließung, weil der Staat verschuldet war. Das 200. Geburtstagsfest fiel aus als Protestgeste gegen die Übernahme durch Preußen. Erst vor 50 Jahren feierte die Universität ihren 300. Geburtstag mit Glanz und Gloria, vielen internationalen Gästen, einem Professoren-Umzug in Talaren und einer Ansprache des Bundespräsidenten Heinrich Lübke. Kurze Zeit später brachen die 1968er-Studenten-Unruhen über sie herein. Und heute? Mit vielfältigen Aktionen innerhalb eines ganzen Jubiläumsjahres dokumentiert die CAU fernab des Elfenbeinturms fröhlich ihre Vielfalt, ihre internationalen Forschungserfolge und Position als anerkannte Bildungsstätte. Die Universität, die gerade erst einen guten Platz unter den besten deutschen Universitäten ergattern konnte, untermauert zudem selbstbewusst, dass sie weiter gestalten und neue Akzente setzen will.

Dabei wird sie offenbar von der Landespolitik unterstützt, die so manche Geldspritze in Aussicht gestellt hat. Das legen auch die Festansprachen von Albig und Kipp nahe, die fast abgestimmt wirkten. Beide erinnerten an das düsterste Kapitel der Uni-Geschichte während der Nazi-Zeit, das die Universität jetzt endgültig aufarbeiten will. An einem Strang ziehen will man auch bei der Flüchtlingskrise: Albig setzt auf die Bildung und Integrationskraft der Uni. Die wiederum verspricht, ihren Beitrag zu leisten. Diese Harmonie verwundert, denkt man an die noch nicht lange zurückliegenden heftigen Proteste der Uni wegen Unterfinanzierung und Verlagerung von Lehramtsausbildung zurück. Es wäre ein schönes Geburtstagsgeschenk des Landes, könnte die Kieler Universität finanziell auch auf längere Sicht in ruhigerem Fahrwasser steuern. Davon würde übrigens auch die Stadt Kiel und die Region profitieren: Schon jetzt studieren mehr als zehn Prozent aller Kieler und Kielerinnen allein an der CAU

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Jubiläum
Foto: Auch die Schwester der Königin Margrethe II., Prinzessin Benedikte, nimmt an den Feierlichkeiten teil.

Jubiläums-Festakt am Gründungsort: In der Kieler Nikolai-Kirche krönt die Universität ihre Feiern zum 350. Geburtstag. Der Besuch der dänischen Prinzessin Benedikte symbolisiert die historischen Bindungen zum Nachbarn. Ein düsteres Kapitel kommt auch zur Sprache.

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