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Martina Drexler zum Fall Uthoff

Kommentar Martina Drexler zum Fall Uthoff

Ende gut, alles gut? Schließlich ist der komplexe Steuerfall Uthoff, über den Kiels Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke 2013 stürzte, endlich rechtssicher abgeschlossen. Die Stadt Kiel kommt mit einem blauen Auge davon und erhält 30 Prozent ihrer Forderungen gegen den Kieler Augenarzt. Und doch ist nicht alles gut.

Die Affäre hinterlässt eine ganze Menge offener Fragen und einen bitteren Nachgeschmack. Sie hat nicht nur die Stadt gewaltig Vertrauen in Sachen Steuergerechtigkeit und Professionalität gekostet. Sie belegt auch, dass ein wahrer Kern in dem Vorurteil steckt, wonach reiche Steuerschuldner deutlich weicher fallen als ärmere.

 Über viele Jahre hat Uthoff Schulden von 120 Millionen Euro aufgehäuft, weil er sich in den 90er Jahren mit Immobiliengeschäften schlicht verzockt hat. Seitdem zog sich der Streit vor Gerichten um ausstehende Gewerbesteuern hin, auch deshalb, weil sich der gewiefte Taktiker, der Vermögen an die Familie übertrug, die besten Anwälte leisten konnte. Weder Land noch Stadt schafften es, die Schulden einzutreiben.

 Zwar hat Uthoff einen hohen Preis bezahlt: Sein vorher guter Ruf ist ruiniert. Sein Lebenswerk, die Klinik, geriet durch ihn in Existenznot, Uthoff musste sie schließlich verkaufen. Dass die neue Führung ihren Fortbestand samt Arbeitsplätzen sichern konnte, ist einer der wenigen Lichtblicke am Ende des Verfahrens. Ein weiterer sollte sein, dass die Verwaltung die richtigen Lehren aus dem Fall zieht: Eine solche Geschichte darf sich nicht wiederholen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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