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Michael Kluth zu Muhammad Ali

Kommentar Michael Kluth zu Muhammad Ali

Man musste kein Boxfan sein, um Muhammad Ali zu lieben. Sportlich, menschlich, politisch ein zutiefst bewundernswerter Mann. Alles zusammen macht ihn zum bedeutendsten Sportler des 20. Jahrhunderts, Pelé hin, Beckenbauer her. Der Größte.

Um auf flackerndem Schwarz-Weiß-Bildschirm seinen einzigartig leichtfüßigen Boxstil zu genießen, haben wir einst den Wecker auf drei Uhr nachts gestellt. „Rumble in the Jungle“ und „Thrilla in Manila“ sind stehende Begriffe der Sportgeschichte.

Was Muhammad Ali darüber hinaus zur weltgeschichtlichen Figur macht, liegt jenseits des Sports. Mit metaphysischem Mut verweigerte der Schwarze im Amerika der 60er-Jahre den Wehrdienst, Haft und sportliche Verbannung in Kauf nehmend – mit dem entwaffend einfachen Argument: „Die Vietcong haben mir nichts getan. Kein Vietnamese hat mich je Nigger genannt.“ Seine Haltung machte ihn zur Ikone der Bürgerrechtsbewegung.

Haltung und Würde wahrte der Gezeichnete auch im Kampf mit der furchtbaren Parkinson-Erkrankung. Er wendete ihre Wirkung positiv, indem er allen Schwerkranken mit seinem weltöffentlichen Auftritt bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 1996 ein Vorbild gab und Mut machte. Unvergesslich auch dies.

Muhammad Ali ist gestorben, aber tot ist erst, wer vergessen wird. Der Größte lebt.

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Ein Artikel von
Michael Kluth
Ressortleiter Sportredaktion

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Foto: Muhammad Ali ist im Alter von 74 Jahren gestorben

Box-Ikone Muhammad Ali ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Das bestätigte sein Sprecher Bob Gunnell am frühen Samstagmorgen deutscher Zeit. „Nach einem 32 Jahre langen Kampf mit der Parkinson-Krankheit ist er von uns gegangen“, hieß es in dem Statement.

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