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Michael Kluth zur Bundesliga nach dem Terror

Kommentar Michael Kluth zur Bundesliga nach dem Terror

Fahr nicht, Junge. Der halbwüchsige Sohn will heute Abend zum HSV. Wie immer. Wie zu jedem Heimspiel. Klar, sagt der gesellschaftspolitisch interessierte Erwachsene. Jetzt erst recht! Lass Dir den Alltag nicht nehmen, die Gemeinschaft, das Anfeuern, die Freude, den Ärger. Die Freiheit. Gönn’ dem Terror nicht den Triumph der Angst.

Der Vater sagt: Fahr nicht, Junge.

Die Unsicherheit, von der jetzt allenthalben abgeraten wird, sie ist schon da. Sie schleicht sich in den Hinterkopf, und sie schleicht sich ins Herz. Sie legt sich auf die familiäre Freizeitplanung: Gehen wir auf den Weihnachtsmarkt, auf den Winterdom, ins Konzert? An die Orte und zu den Veranstaltungen, die unser allzu geschwätziger Bundesinnenminister als Terrorziele gleichsam vorgegeben hat? Ja, schon die Frage ist ein Triumph des Terrors. Und nein, man kriegt sie nicht aus dem Kopf. So sehr man es auch möchte.

Ein Kollege hat sich in den Tagen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht in die Kieler Ostseehalle (!) getraut. Nach den Anschlägen vom 13. November 2015 sagt er heute, er würde wohl hingehen. Beides ist zu respektieren. Nachzuvollziehen ist es kaum. Aber Besorgnis ist irrational – und persönlich. Eines ist sie nicht: verwerflich.

Es muss jeder für sich selbst entscheiden, wohin er geht und wohin nicht. Es gibt auch die Freiheit, besorgt zu sein. Und ein Vater darf seinem Sohn sagen: Fahr nicht, Junge. Lass uns Sky gucken.

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Ein Artikel von
Michael Kluth
Ressortleiter Sportredaktion

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