23 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Niklas Wieczorek zu Google

Kommentar Niklas Wieczorek zu Google

Deutschland hinkt hinterher, der Norden noch mehr: Das muss der Betrachter des Straßendienstes Google Street View unweigerlich denken, wenn er die Europaübersicht aufruft. Das alles ist ein Verdienst der deutschen Lust am Datenschutz.

Kiel. Dort kann er den niederländischen Küstenort, das französische Bergdorf, das Bauernhaus in der polnischen Einöde aus verschiedenen Perspektiven betrachten. In Deutschland dagegen klickt er sich lediglich durch die größten Städte. Schleswig-Holstein ist gar nicht vertreten, und in Rest-Deutschland ist Googles Auge auch auf dem Land ganz blind. Die Mitte Europas ist auf dem Stand von Weißrussland.

Als Google hierzulande seine Straßenaufnahmen startete, regte sich eine Protestwelle vom Boden- bis zur Ostsee. Selbst wenn das Unternehmen rechtlich auf der sicheren Seite war, musste es die Löschfunktion einräumen, um sein Gesicht zu wahren. Die Deutschen, die heute selbst mit dem Smartphone Daten sammeln, zwangen einen Milliardenkonzern in die Knie. Die Folge: Google will Deutschland nicht weiter erhellen, die Deutschen wollen nicht weiter erhellt werden.

Googles Kamera-Autos rollen aktuell noch durch die Straßen, um die Karten zu verbessern. Gefilmt werden wir immer noch, veröffentlicht wird das Bildmaterial nicht. Der Blick ins Leben der Anderen geht so sicherlich verloren. Aber wir Deutschen wissen aus historischer Erfahrung: Ohne Aufsicht geht es auch ganz gut.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Kamera-Autos
Foto: Hier in Berlin, 2010 für „Street View“ auch in Kiel auf den Straßen: Die Wagen von Google sind derzeit wieder in Deutschland im Einsatz. Die Aufnahmen sollen laut Unternehmensangaben aber nicht veröffentlicht werden und lediglich zur Verbesserung des Kartenmaterials dienen.

Google lässt wieder Kamera-Autos durch Schleswig-Holstein fahren: Auch wenn das Unternehmen angibt, keine Veröffentlichung der Daten zu planen, werden Erinnerungen an den großen Widerstand gegen „Street View“ vor einigen Jahren wach. Ein Datenschützer klärt auf.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus KN-Kommentare 2/3