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Niklas Wieczorek zu Unwetter "Xavier"

Kommentar Niklas Wieczorek zu Unwetter "Xavier"

Eine solche Wucht hatte wohl niemand von „Xavier“ erwartet. Ähnlich überraschend wie die volle Breitseite, mit der das Sturmtief Norddeutschland traf, erwischte der Voll-Stopp der Deutschen Bahn die Fahrgäste.

Hunderte strandeten im Kieler Hauptbahnhof, als gerade die Sonne herauskam. Paradox. Bei aller engagierten Hilfsbereitschaft der Service-Mitarbeiter machte sich Unverständnis breit. Kein Wunder.

 Das Unternehmen begründete den Schritt mit der Sicherheit der Fahrgäste – ein Argument und ein Gut, das immer über allem stehen sollte. Dennoch stellten der Verkehrsminister, der Nahverkehrschef und Fahrgastvertreter die Verhältnismäßigkeit für den höchsten Norden in Frage. Ein vergleichbar drastischer Schritt der Bahn in den vergangenen Jahren war ihnen kaum bekannt, obwohl es einige Stürme mit noch drastischerem Auswirkungen gegeben hatte.

 Menschen sind im Unwetter „Xavier“ gestorben, deswegen verbietet sich eine pauschale Kritik an der Bahn-Maßnahme. Dennoch wurden in Kiel die richtigen Fragen gestellt. Mit dem Klimawandel werden extreme Wetterphänomene wie Herbststürme noch heftiger und können lokal und regional höchst unterschiedlich ausfallen. Unternehmen und Politik sollten sich daher zum Ziel machen, die Infrastruktur überall wetterfest zu machen. Vielleicht kann nach „Xavier“ der gesamte Norden etwas aus dem sturmerprobten echten Norden lernen – und wenn es nur das gelassene Gemüt ist, mit dem die Gestrandeten in Kiel das Wetter hinnahmen.

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Foto: Bahnfahrer brauchen im Norden viel Geduld.

Bei dem Sturm ist am Donnerstag in Hamburg eine Frau ums Leben gekommen. Ein Baum sei auf das Auto des Opfers im Stadtteil Horn gefallen, eine weitere Fahrzeuginsassin sei dabei schwer verletzt worden. Die Deutsche Bahn stellte den Zugverkehr im Land ein. Die Unwetterwarnung wurde mittlerweile aufgehoben.

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