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Patrick Tiede zum Umgang mit Wölfen

Kommentar Patrick Tiede zum Umgang mit Wölfen

Dass durch Teile dieses Landes wieder Wölfe streifen, ist zunächst einmal ein großer Erfolg für den Artenschutz. Immerhin kehrt da ein einst heimisches Wildtier in alte Verbreitungsgebiete zurück. Das Problem: Bevölkerungsdichte, Infrastruktur und Landschaftskultivierung sind nicht annähernd mit dem Zustand von vor 200 Jahren vergleichbar. Es ist schön, dass  canis lupus wieder da ist, doch passt er auch noch in diese Zeit?

Schleswig-Holstein versucht mit einem „Wolfsmanagement“, diese Frage mit Ja zu beantworten. Und stößt dabei an Grenzen. Der schlimme Vorfall auf der Schierenseer Weide mit 25 toten Tieren zeigt, wo es hakt: Die Schutzmechanismen greifen nur bedingt, die derzeit geltende Entschädigungsregelung ist nicht nachhaltig genug und zu bürokratisch, und die Debatte in der Öffentlichkeit eskaliert. In einschlägigen Internetforen erzählen sie sich vom modernen Rotkäppchen. So kann es nicht gehen.

Neben mehr Sachlichkeit ist jetzt vor allem die akute Prüfung nötig, ob der Wolf in das Jagdrecht aufgenommen werden soll. Es spricht manches dagegen, doch letztlich mehr dafür: Jäger würden den an der Belastungsgrenze arbeitenden Wolfsbeauftragten bei Hege, Zählung und Überwachung der Bestände helfen. Gleichzeitig könnten sie anders als derzeit schwer verletzte Tiere schneller per Gnadenschuss selbst erlösen. Und: Der Wolf wäre durch seinen besonderen Schutzstatus und eine ganzjährige Schonzeit weiterhin nicht zum Abschuss freigegeben. Dass die Regelung funktioniert, zeigt Sachsen. Schleswig-Holstein sollte sich daran ein Beispiel nehmen.

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Ein Artikel von
Patrick Tiede
Redaktion Lokales Kiel/SH - Landeshaus-Korrespondent

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Angst vor Wölfen
Foto: Landwirt Jan Siebels (rechts) begutachtet mit Hauke Göttsch die Kehlbisse an seinen Mutterschafen.

Nach dem Vorfall mit 25 getöteten Schafen auf einer Weide bei Blumenthal ist eine neue Debatte um den Umgang mit Wölfen im Land entbrannt. Der Landesjagdverband (LJV) fordert eine Aufnahme ins Jagdrecht, Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist strikt dagegen. Auf der betroffenen Weidefläche wurden die Sicherungsmaßnahmen verschärft.

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