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Robert Michalla zum Türkei-Streit

Kommentar Robert Michalla zum Türkei-Streit

Sie sind in Gedanken bei ihrer Familie in der Türkei, sie bangen um ihre Freunde in der Heimat: Der Streit um das Für und Wider eines Präsidialsystems in dem Land am Bosporus hat einen gefährlichen Punkt erreicht. Die Folgen sind auch im Norden spürbar.

Kiel. In Schleswig-Holstein lebende Türken wägen mitunter jedes Wort zweimal ab, andere äußern sich lieber gar nicht öffentlich, bei wieder anderen herrscht gar eine Atmosphäre der Angst. Dieses grausame Gefühl der Bedrohung ist nicht hinnehmbar.

Grundsätzlich ist der Streit der Bürger eines Staates darüber, wie sie regiert werden wollen, nur zu begrüßen. Mahnungen von Kritikern, die vor dem endgültigen Ende der Demokratie in der Türkei warnen, sind dabei Teil dieses Diskurses – ebenso wie die Stimmen der Befürworter. Doch wer Kritik äußert, der muss sich seines Schutzes und der Unversehrtheit seiner Angehörigen und Freunde sicher sein. Auch und gerade, wenn er in Deutschland lebt.

Ein Schritt hin zur Deeskalation führt über den offenen Dialog. Zwischen Türken und ihren Landsleuten auf der einen Seite genauso wie zwischen Türken und Deutschen auf der anderen. Besonders in Deutschland lebende Türken müssen die Vorteile der Demokratie preisen, Deutsche wiederum vor den Gefahren eines unfreien Systems warnen. Einschüchterungen gefährden die Willensbildung. Wo Angst herrscht, hat Demokratie einen schweren Stand.

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Robert Michalla
Wirtschaftsredaktion

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Norden
Foto: Wahlurnen in Hannover: Auch in Schleswig-Holstein lebende Türken können an der Abstimmung teilnehmen.

Das hart umkämpfte Referendum in der Türkei, mit dessen Hilfe Staatschef Recep Tayyip Erdogan ein Präsidialsystem einführen will, belastet die türkische Gemeinde im Norden.

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