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Thomas Bunjes zum Literaturnobelpreis für Bob Dylan

Kommentar Thomas Bunjes zum Literaturnobelpreis für Bob Dylan

So, nun ist es also doch passiert. Ist es jetzt eine Art Kulturrevolution, dass Bob Dylan diesmal den Literaturnobelpreis kriegt, für den er seit 20 Jahren immer mal wieder gehandelt worden war? Darf denn ein schnöder Singer-Songwriter überhaupt rein in den Weihetempel der Hochliteratur?

Kiel. Allein wegen jener Leute, die heute noch so etwas zu fragen wagen, hätte sich das Bläuen derer Schienbeine gelohnt. Auch jene, die jetzt mäkeln, Dylan hätte diese Auszeichnung aus künstlerischen Relevanzgründen, wenn überhaupt, dann vor etlichen Jahren bekommen müssen, verkennen, dass er auch im fortgeschrittenen Alter hervorragende Alben wie „Time Out Of Mind“ (1997) oder „Modern Times“ (2006) veröffentlicht hat.

Der Hase liegt woanders im Pfeffer. Dass Bob Dylan einer der einflussreichsten Musiker ist, steht völlig außer Frage. Dass viele seiner Texte zu den besten zählen, die je für Songs geschrieben wurden, ebenfalls. Aber dass Dylan den Nobelpreis für Literatur laut der Jury „für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Song-Tradition“ erhält und nicht für seine Songs – denn dann wäre es ja kein reiner Literaturpreis – ist fragwürdig. In einem Song, insbesondere einem guten Song, bilden Musik und Text eine Einheit, beziehen sich aufeinander, stützt die Aussage des einen die Aussage des anderen. Ein Songtext ist eben kein Gedicht, sondern ein Songtext. Niemand würde auf die Idee kommen, Bob Dylan einen Musikpreis welcher Art auch immer zuzusprechen, diese Verleihung dann aber allein auf die Komposition zu beziehen und die Texte einfach außer Acht zu lassen.

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Nobelkomitee hat entschieden
Bob Dylan.

Der Literaturnobelpreisträger 2016 heißt Bob Dylan. Der Sänger und Dichter war schon viele Jahre im engeren Favoritenkreis.

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