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Thomas Geyer zum Prozess Altenholz

Kommentar Thomas Geyer zum Prozess Altenholz

Das Publikum im Kieler Prozess um die verheerende Brandstiftung im Ortszentrum von Altenholz-Stift sah sich zeitweise in eine Episode aus dem Gerichtsfernsehen versetzt: So unglaublich erschienen die überraschenden Wendungen in dem Fall, dessen Lösung Polizei und Staatsanwaltschaft schon fest im Griff zu haben glaubten.

Kiel. Zur Erinnerung: Kurz nach dem Großbrand belasteten die damalige Freundin und zwei gute Bekannte den Angeklagten als möglichen Täter, widerriefen jedoch später ihre Aussagen. Auch die Vorsitzende des Schöffengerichts sah zunächst einen dringenden Tatverdacht, sonst hätte sie im Dezember 2014 den Haftbefehl für den 23-Jährigen nicht unterschrieben. Doch schon neun Wochen später kam der Angeklagte wieder auf freien Fuß. Und gestern verurteilte das Schöffengericht nicht ihn, sondern die Strafverfolger. Die Sanktion: ein öffentlicher Rüffel.

Gegen den Freispruch kann die Staatsanwaltschaft Berufung einlegen, die Kritik sollte sie positiv umsetzen. In eine Analyse des Ermittlungsverfahrens mit der Frage: Was ist schiefgelaufen? Welche Fehler lassen sich künftig vermeiden? Dass sich die Polizei zu schnell und einseitig auf einen Tatverdächtigen festlegte, weil alles so schön schlüssig erschien, bestätigten im Prozess sogar die Zeugen in Uniform. Auf jeden Fall bleibt es spannend: Kurz bevor sich die Brandnacht zum zweiten Mal jährt, müssen die Ermittler wieder von vorn anfangen.

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Amtsgericht Kiel
Foto: Dieses Luftbild der abgebrannten und abgerissenen Ladenzeile in Altenholz macht deutlich: Seit bald zwei Jahren klafft eine weiträumige, triste Baulücke im Ort, der sein Zentrum verloren hat.

Knapp zwei Jahre nach dem Großbrand der Ladenzeile in Altenholz-Stift hat das Schöffengericht den 23-jährigen Angeklagten vom Brandstiftungsvorwurf freigesprochen. „Nichts spricht für seine Täterschaft“, fasste die Vorsitzende Elisabeth Bellmann am Dienstag zusammen. Die Staatsanwaltschaft prüft die Revision.

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