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Thomas Geyer zum Unfall mit Ferrarifahrer

Kommentar Thomas Geyer zum Unfall mit Ferrarifahrer

Immer stärker, immer schneller, immer teurer – die Faszination des Automobils als Symbol für Status, Freiheit und beherrschbare Technik ist auch in Zeiten der Energiewende ungebrochen. Das zeigt nicht nur der Extremfall des Todesfahrers von Norderstedt, dem seine Verteidiger „eine gewisse Freude an der Beschleunigung“ seines 570-PS-Ferraris zusprachen.

Das betrifft auch Otto Normalverbraucher von Kindesbeinen an: Ein sechsjähriger Unfallzeuge war begeistert von dem roten Sportwagen, der neben dem elterlichen Van an der Ampel stand. Bis das Aufheulen des Achtzylinders mit einem Knall und zwei Toten endete. Nur elf Monate später forderte auf derselben Strecke ein weiterer Unfall mit einem PS-Monster von McLaren zwei Todesopfer. Auf dem Beifahrersitz: ein Achtjähriger, der schwer verletzt wurde.

Die Verantwortung am Steuer tragen Erwachsene. Und die kaufen immer stärkere Autos. Natürlich sind die Fahrzeuge auch sicherer geworden, höheres Gewicht erfordert stärkere Motoren. Doch jede Rushhour zeigt: Man braucht keinen Ferrari, um zu drängeln und zu rasen. Immer noch sterben auf deutschen Straßen täglich neun Menschen, zwei Drittel durch unangepasste Geschwindigkeit. Ausgeklügelte Sicherheitssysteme erweisen sich als trügerisch: Technische Hilfssysteme können menschliche Schwächen nur teilweise kompensieren. Deshalb heißt die Zukunft auf den Straßen: Rücksichtnahme, Entschleunigung und Kontrolle.

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Prozess in Norderstedt
Foto: Der Angeklagte (r) wartet im Amtsgericht in Norderstedt neben Anwalt Knud Paulsen (l) auf den Prozessbeginn. Er soll mit seinem Ferrari einen tödlichen Unfall verursacht haben.

In gerade mal 3,4 Sekunden ließ sich der rote Ferrari des Angeklagten auf 100 Stundenkilometer beschleunigen. Noch mindestens zehn km/h schneller raste der bekennende Sportwagen-Fan durch Norderstedt, als er vor anderthalb Jahren auf winterlich feuchter Straße gegen den Kleinwagen einer 57-Jährigen prallte.

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