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Thomas Geyer zum Urteil gegen den Todesschützen Olaf L.

Kommentar Thomas Geyer zum Urteil gegen den Todesschützen Olaf L.

Das Urteil in einem der spektakulärsten Strafverfahren der letzten Jahre in Schleswig-Holstein ist gesprochen: Die tödlichen Schüsse des Steuerberaters Olaf L. auf einen leitenden Finanzbeamten waren „Ausdruck absoluten Vernichtungswillens“. Heimtückischer Mord. Die gesetzlich zwingende Folge ist eine lebenslange Freiheitsstrafe. Für die Strafjustiz ist der Fall damit aufgearbeitet. Aber noch lange nicht für das betroffene Finanzamt, auch nicht für alle Einrichtungen mit Bürgerkontakt und Konfliktpotenzial.

Sollen sich die Behörden, wie ansatzweise schon geschehen, immer weiter verbarrikadieren? Das wäre das falsche Signal, würde der viel beschworenen Bürgernähe zuwiderlaufen und erst recht Ärger zwischen Beschwerdeführern und einer sich abschottenden Obrigkeit provozieren. Wirksame Vorbeugung gegen ausrastende Kunden muss auch über verbesserte Kommunikation laufen. Der Todesschütze im Rollstuhl war eben kein Wahnsinniger, sondern ein schwieriger, von Krankheiten gezeichneter Charakter, der sich auch im vermeintlichen Interesse seiner Klienten in einen Kleinkrieg mit dem Finanzamt hineinsteigerte und am Ende in einer ausweglosen Situation wähnte.

Wie konnte es dazu kommen? Warum bot das Finanzamt dem seit Jahren als Querulanten bekannten Steuerberater erst Tage vor der Katastrophe ein „Klimagespräch“ an? Nur wenn sich als Konsequenz die Sensibilität in Ämtern und Behörden für Konflikte und einvernehmliche Lösungsversuche schärft, ist der schreckliche Tod des Finanzbeamten Wolfgang B. vielleicht nicht völlig sinnlos gewesen.

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Lebenslang für Finanzamt-Todesschützen
Foto: Er nahm das Urteil mit Fassung entgegen: Olaf L. ist zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Der Fockbeker Steuerberater Olaf L. ist wegen heimtückischen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der 55-Jährige hat laut Urteil „wohlüberlegt, gezielt und konsequent“ gehandelt, als er am 1. September 2014 nach jahrelangem Kleinkrieg mit dem Finanzamt bewaffnet in die Behörde eindrang und den Sachbereichsleiter Wolfgang B. (57) mit drei Pistolenschüssen tötete.

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