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Ulf B. Christen zum Atom-Streit

Kommentar Ulf B. Christen zum Atom-Streit

Bundesumweltministerin Hendricks hat am Freitag das alte Angebot ihres Kieler Kollegen Habeck dankbar aufgegriffen, einige Castoren aus England in Schleswig-Holstein unterzustellen. Die Begeisterung des Kieler Obergrünen über den späten Erfolg hielt sich in engen Grenzen. Seine Ursprungsidee, die Castoren im Zwischenlager Brunsbüttel unterzustellen, ist nach dem juristischen Inkasso der Lagerlizenz hinfällig.

Und Hendricks Vorschlag, die Castoren in Brokdorf zu parken, durchkreuzt Habecks Pläne für einen Abriss des Meilers in Brunsbüttel. So gesehen hat sich Habeck selbst ins Knie geschossen.

Wie der Minister aus dem Atom-Schlamassel herauskommen will, ist offen. Im AKW Krümmel gäbe es zwar freie Stellplätze für England-Castoren. Diese Lösung schließt Habeck aber aus, weil das Lager angeblich für den Rückbau des Reaktors benötigt wird. Bei den Grünen ist auch anderes zu hören. Sie fürchten eine Protestwelle, wenn Castoren ausgerechnet in dem Meiler abgestellt werden, der bei Kindern Leukämie ausgelöst haben soll. Beweise dafür gibt es zwar nicht. Aber in 23 Monaten ist Landtagswahl.

Das Hendricks-Konzept ist trotz der Probleme für Schleswig-Holstein ein echter Durchbruch. Erstmals seit Jahren gibt es eine mögliche Lösung für das Castor-Problem. Dass die Ministerin auch Bayern Castoren aufdrücken will, mag im Norden gut ankommen. Sinn macht es nicht, Atommüll aus England bis in den letzten Winkel der Republik zu karren. Politisch ist der Vorschlag umso geschickter. Er könnte einen politischen Kuhhandel einleiten. Am Ende bekäme Bayern keinen Atommüll, aber die Stromtrasse.

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Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Atommüll-Streit
Foto: Außer Standorten in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg wurde auch Brokdorf in Schleswig-Holstein ausgewählt.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat die Atom-Faxen dicke. Die SPD-Politikerin schlug den vier großen Energiekonzernen gestern vor, den in England und Frankreich lagernden deutschen Atommüll auch in Bayern und Hessen zwischenzulagern. Aus München hagelte es Proteste.

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