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Ulf Christen zum Skandal um Mädchenheime

Kommentar Ulf Christen zum Skandal um Mädchenheime

Im Skandal um die Mädchenheime in Dithmarschen hat das Landesjugendamt kläglich versagt. Die Heimaufsicht des Landes versuchte über Jahre vergeblich, immer neue Missstände in den Friesenhof-Camps mit Auflagen abzustellen. Geschlossen wurden die Einrichtungen erst, als Medien über die unhaltbaren Zustände berichteten.

Politisch verantwortlich für dieses Desaster ist die oberste Heimaufseherin des Landes, Sozialministerin Kristin Alheit. Die SPD-Politikerin räumte gestern in einem Nebensatz ein, dass der Entzug der Heimlizenzen schneller und professioneller hätte erfolgen können. Im Klartext: Mehrere Mädchen mussten leiden, weil die Heime nicht so kontrolliert wurden wie nötig und nach den gesetzlichen Regelungen durchaus möglich.

Dieses Versagen muss Konsequenzen haben. Das gilt an erster Stelle für das Landesjugendamt. Aber auch Alheit gerät immer stärker unter Druck. Ihre Behauptung, sie habe von dem angezeigten Sex-Missbrauch eines Mädchens erst spät erfahren, ist beschämend. Es ist das Armutszeugnis einer Ministerin, die nicht weiß oder wissen will, wo es in den Heimen brennt.

Alheit entzaubert sich damit selbst. Die frühere Bürgermeisterin von Pinneberg, die mit Politik wenig am Hut hat, galt als gute Verwaltungsfrau. Erste Zweifel daran nährte die UKSH-Keim-Krise. Regierungschef Torsten Albig will sein Kabinett nach der Wahl 2017 umbauen. Alheit ist nicht die einzige, derzeit aber die größte Wackelkandidatin.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Fall Friesenhof
Foto: Das «Friesenhof»-Jugendheim in Hedwigenkoog: Die Heimleitung weist Vorwürfe, nach denen in den Heimen Jugendliche schikaniert worden sein sollen, als haltlos zurück.

Nach Beschwerden von Bewohnerinnen wurden zwei Mädchenheime in Dithmarschen geschlossen. Den Heimen fehle es an qualifiziertem Personal, hieß es aus dem Sozialministerium in Kiel. Die CDU im Landtag will eine Sondersitzung des Sozialausschusses.

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